Dem Himmel näher kommen: Die größte Insel der Balearen ist besonders im Herbst und im Frühling ideal zum Wandern. Der Camí de s’Arxiduc gilt als einer der schönsten Bergwege Europas.

Palma de Mallorca ist weit weg. Irgendwo hinter der Gebirgskette liegen die Strände und Hotelanlagen. Hier am Camí de s’Arxiduc liegt ein matter Schleier über dem Berggipfel. Die Küste ist fern am Horizont und schlängelt sich wie ein Riss zwischen Insel und Meer. Abseits von Palma de Mallorca, Diskotheken und „Hölle, Hölle, Hölle“ erblickt der Urlauber Mallorcas zweites Gesicht. Hoch über den kleinen Städtchen im Landesinneren thronen grün bewachsene Hügel, die nach und nach in den Himmel wachsen und sich in felsige Berglandschaften verwandeln. Am Horizont schmiegt sich das Meer in beständiger Gleichmäßigkeit an die Küste. Es wirkt wie eine Collage aus verschiedenen Blautönen; glänzendes Geschenkpapier, zu schade zum Wegschmeißen.

Salvators Schutzhütte

Fünf bis sechs Stunden liegen noch vor der Wandergruppe, die gerade in Valdemossa ihre Rucksäcke packt. Das Wetter der Vorsaison ist perfekt für einen längeren Fußmarsch; nicht zu heiß, um Mallorcas Gipfel zu erstürmen. Der Blick in den Reiseführer gibt für die bevorstehende Wanderroute Camí de s’Arxiduc den Schwierigkeitsgrad „Mittelschwer“ an. Das müsste zu packen sein, auch zu Fuß, denn eigentlich sollen auf der abenteuerlichen Strecke von Valdemossa zum Eibengipfel sogar Pferde vorankommen: Der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator ließ sich Ende des 19. Jahrhunderts eigens diesen Reitweg anlegen, um zu Ross die Hügellandschaft im Westen überblicken zu können.
Damals wie heute führt die Route an der Finca Ca`n Massana über die Hochebene des Pouet und den Pla de sa Serp zu einer von Erzherzog Salvator erbauten Schutzhütte, die nur noch ein in sich zusammengefallener Steinhaufen ist. Ein knorriger Mandelbaum krümmt sich über die Ruine, als wolle er die uralten Gemäuer vor den leuchtenden Sonnenstrahlen schützen, damit die altertümlichen Gesteinsreste nicht noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Zypressen links, Oliven rechts

Der Schatten, den der Baum spendet, wird für eine kurze Pause genutzt. „Mittelschwer“ stellt sich jetzt endgültig als passende Beschreibung für den Frühlingsausflug heraus: Für diejenigen, die den Trip eher als „schwer“ denn als „mittel“ empfinden, ist die Wanderung hier zu Ende.
Nach den schönen Passagen der Gratwanderung rund um den frische erblühten Puig Caragolí steigen manche frühzeitig ab. Flankiert von Zypressen und Olivenbäumchen tritt der Rest der Wandergruppe die Weiterreise an, zum Teix (1064 Meter) ist es noch ein gutes Stück bergauf. Wetterstürze sind hier oben nicht selten. Heute jedoch ist alles ruhig. Alle werden wohl trocken am Gipfel ankommen.
Zweieinhalb Stunden dauert der Rückmarsch. Er wird aber gern in Kauf genommen. Schließlich hat man tapfer den Reitweg des Erzherzogs erklommen und nicht frühzeitig kehrt gemacht. Dennoch wünscht sich mancher Reisende jetzt bald weg von hier, zu einem kühlenden Bad im Meer. Irgendwo dort hinter der Hügellandschaft, an den Stränden von Palma de Mallorca…

ZUM ANGEBOT

Schreiben Sie einen Kommentar