Viele Urlauber fragen sich nach den Jahren mehrerer Regimewechsel, Aufstände, Anschläge und Revolutionen: Kann man in Ägypten derzeit sicher Urlaub machen? Die Antwort lautet Ja, solange Sie einige Reisewarnungen für Ägypten beachten. An der Küste des Roten Meeres, aber auch in sehenswerten Städten wie Assuan und Kairo, erlebt das arabische Land spätestens seit 2018 ein echtes Comeback. Immer mehr Urlauber kommen zurück, um sich von der faszinierenden Welt der Pharaonen, von den orientalischen Märkten und den tropische Tauchgründen begeistern zu lassen. Mehr als acht Jahre nach der Januar-Revolution von 2011 hat sich die Lage deutlich beruhigt. Vorteilhaft ist zudem, dass die Preise für Pauschalreisen aktuell noch relativ günstig sind.

Wir haben für Sie Hintergründe und Informationen zusammengestellt, um Ihre Frage „Kann man derzeit in Ägypten sicher Urlaub machen?“ zu beantworten. So starten Sie gut informiert und entspannt in Ihren Urlaub.

Ist Ägypten sicher? Hintergründe und Antworten

Die Januar-Aufstände 2011 und der erneute Umsturz 2013

Weltweite Schlagzeiten machten die Aufstände des Arabischen Frühlings, die vor allem in der Hauptstadt Kairo ihren Ausgangspunkt nahmen. Ende Januar 2011 zog es die ersten Demonstranten auf den Tahrir-Platz. Es waren vor allem Studenten und Arbeiter, die sich gegen die diktatorische Herrschaft des Präsidenten Muhammad Husni Mubarak richteten. Der Machthaber war zu diesem Zeitpunkt fast 30 Jahre im Amt und musste nach den Protesten bereits im Februar seinen Hut nehmen. Seither fragen sich Reisende zu Recht: Ist es sicher nach Ägypten zu fliegen?

In der Folge der Januarereignisse kam es zu mehrfachen Regimewechseln. Zunächst übernahm ein Militärrat die Regierungsgeschäfte und erließ verschärfte Notstandsgesetze. Schließlich kam im Jahr darauf die konservativ eingestellte Muslimbruderschaft unter Mohammed Mursi an die Macht. Bereits 2013 kam es zum erneuten Umsturz – Mursi wurde für seine islamisierende Politik kritisiert und vom Militär gestürzt. Seither herrscht zumindest für Touristen deutlich mehr Stabilität. Vor allem an der Küste des Roten Meeres ist es sicher, nach Ägypten zu reisen.

Wieso wurde im April 2017 der Ausnahmezustand ausgerufen?

Am 10. April 2017 wurde landesweit der Ausnahmezustand ausgerufen, was erneut die Frage aufwirft: Ist Ägypten derzeit ein sicheres Reiseziel? De facto hat die Maßnahme zu deutlich verstärkten Sicherheitskontrollen durch das Militär und die Polizei geführt. Die Überprüfungen richten sich überwiegend gegen die ägyptische Bevölkerung und weniger gegen Reisende aus dem westlichen Ausland.

Auslöser des Ausnahmezustands vom April 2017 waren die islamistischen Anschläge auf koptische Kirchen in Ägypten, die eng mit der Terrororganisation ISIS verbunden waren. Die ägyptische Regierung reagierte sofort und erließ die Notstandsgesetze, um einheimische Christen, aber auch Besucher aus dem Ausland, besser schützen zu können. Die Befugnisse von Polizei und Armee wurden erweitert. Touristen werden vielerorts ein erhöhtes Sicherheitsaufgebot bemerken. Vor allem die beliebten Urlauberorte wie Sharm el-Sheikh, Hurghada, Luxor und Assuan werden seit April 2017 umfassend bewacht.

Sind Touristen Ziele von Anschlägen? Sind Unruhen eine Gefahr?

Mit der Übernahme des Militärs im Jahr 2013 ist die Gefahr von Unruhen deutlich gesunken. Massive Proteste mit gewaltsamen Niederschlagungen wie sie zwischen 2011 und der Absetzung Mohammed Mursis üblich waren, sind derzeit nicht zu erwarten. Dennoch ist es ratsam, großen Massenkundgebungen in Kairo, Alexandria und anderen Metropolen Ägyptens fernzubleiben. Sinnvoll ist es, die aktuelle Nachrichtenlage im Auge zu behalten und sich bei Reiseveranstaltern sowie Hotels über die Situation vor Ort zu informieren.

Die Gefahr terroristischer Anschläge auf Touristen kann nicht komplett ausgeschlossen werden. In periodischen Abständen ist es seit der Machtübernahme des Militärs zu Angriffen gekommen, die gezielt die Tourismusbranche treffen sollen. So wurde im Juli 2015 ein russisches Flugzeug auf dem Rückweg vom Sinai gesprengt. Der Angriff kann als direkte Reaktion auf den Eintritt Russlands in den Syrienkrieg gelten. Vereinzelt fielen Urlauber, z.B. im Juli 2017 bei einer Messerattacke am Strand von Hurghada, Terrorakten zum Opfer. Deutlich häufiger sind jedoch Sicherheitsbeamte, Kirchen und bestimmte Moscheen wie beim Bombenanschlag auf das Freitagsgebet in Bir al-Abed im November 2017 von terroristischen Anschlägen betroffen. Insbesondere die Halbinsel Sinai und ihre ländlichen Gebiete an der Grenze zum Gaza-Streifen gelten als Gefahrenpunkte. Ebenso wird von Reisen in die Sahara an der Grenze zum Sudan und zu Libyen abgeraten.

Deutsche Teilreisewarnung für Ägypten: Was ist zu beachten?

Eine Teilreisewarnung wird vom Auswärtigen Amt immer dann ausgerufen, wenn in einigen Regionen des Landes eine akute Gefahr für Leib und Leben der Urlauber herrscht. Hierunter können u.a. schwere Krisen, Aufstände, Terroranschläge und Naturkatastrophen fallen. Für Sie ist es bei Ihrer Urlaubsplanung wichtig, die aktuellen Reisewarnungen auf der Seite des Auswärtigen Amtes und der Botschaft in Kairo durchzulesen.
Reiseveranstalter und Versicherungen richten sich exakt nach der Wortwahl der Behörden. Rät das Auswärtige Amt in seinen Sicherheitshinweisen lediglich von einem Aufenthalt ab, sind die Organisatoren nicht dazu verpflichtet, die Reise kostenlos zu stornieren oder umzubuchen. Anders verhält es sich im Falle von Ägypten, für den eine Teilreisewarnung vorliegt. Diese hat das Auswärtige Amt angesichts der terroristischen Anschläge der vergangenen Jahre ausgerufen und hält diese weiterhin aufrecht.

Bieten Veranstalter trotz einer Reisewarnung Touren in die gefährdeten Regionen an, kann der Kunde im Zweifelsfall kostenlos den abgeschlossenen Vertrag auflösen. Falls der Anbieter eine Stornierung ablehnt, können Sie vor Gericht ziehen. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist stets ein zulässiger Grund, um bei unvorhersehbaren Entwicklungen Entschädigungen zu erhalten. Problematisch ist es eventuell mit dem Versicherungsschutz. Viele Auslandsreisekrankenversicherung zahlen bei höherer Gewalt nicht. Bei Terroranschlägen und Unruhen wird oftmals keine Entschädigung gezahlt.

Welche Region in Ägypten ist gefährlich? Wo kann man sorgenfrei Urlaub machen?

Ein aktueller Brandherd ist die Halbinsel Sinai. Vor allem an der Grenze zum Gaza-Streifen kam es gehäuft zu Angriffen auf Kirchen und Moscheen. Zudem besteht bei Überlandreisen durch die Wüste die Gefahr von Entführungen. Sie sollten wenn, dann unbedingt im Konvoi und nach Möglichkeit mit Sicherheitspersonal durch diese Region reisen. Zu den besonders betroffenen Gebieten gehören die Straßen abseits der Küste, u.a. auch zum Berg Sinai und zum Katharinenkloster. Zu Anschlägen kam es in der Vergangenheit beispielsweise im Ferienort Taba, in der Provinz Sheikh Zuwayd und in Bir al-Abed im Norden der Halbinsel. Vergleichsweise sicher ist der Süden des Sinai. Hier befinden sich gut geschützte Badeorte wie Sharm el-Sheikh und Dahab. In diesen Städten können Sie sorgenfrei Urlaub machen.
Des Weiteren warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in die Grenzregionen zu Libyen und Sudan. Die Gebiete inmitten der Sahara wurden von der ägyptischen Regierung zu Sperrgebieten erklärt, vor allem, um Entführungen von Ausländern zu verhindern. Ausflüge sind nur mit einer Sondergenehmigung und im Konvoi mit Sicherheitskräften möglich.
Wenn Sie vollkommen sicher nach Ägypten reisen möchten, halten Sie sich am besten an die bekannten Badeorte am Roten Meer. Neben Sharm el-Sheikh ist die Terrorgefahr in Hurghada, El Gouna, Safaga, al-Qusair und Marsa Alam sehr gering. Hier schützen vor allem seit der Ausrufung des Ausnahmezustands Sicherheitskräfte Touristen vor möglichen Risiken. Etwas höher ist die Gefahr in größeren Städten wie Assuan, Luxor, Kairo und Alexandria. Hier kam es in der Vergangenheit zu gezielten Angriffen auf Kirchen und Sicherheitskräfte. U.U. sind Terroranschläge auf Touristengruppen denkbar. Durch verstärkte Kontrollen ist das Risiko seit 2017 jedoch deutlich gesunken.

Die Krisenvorsorgeliste ELEFAND

Für den Ernstfall ist es weltweit wichtig, dass Sie sich bei Auslandsreisen in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amtes eintragen. Vor allem in Krisengebieten und in Ländern, für die eine Reisewarnung besteht, ist die Registrierung unabdingbar, um effektiv Hilfe zu erhalten. Loggen Sie sich bequem online ein und geben Sie bei ELEFAND Ihren Namen, Ihre Aufenthaltsorte und Erreichbarkeiten vor Ort an. Zudem sollten Sie die Kontaktdaten Ihrer Angehörigen hinterlassen. Im Falle einer verschärften Sicherheitslage, kann Sie die deutsche Botschaft in Ägypten rechtzeitig warnen und Sie zur Ausreise auffordern. Sie werden gezielt beraten und erhalten präventiv Hilfe in Ägypten.

Öffentlicher Nahverkehr und individuelle Reisen: Was geht und was nicht?

In den großen Städten ist es empfehlenswert, bei Einbruch der Dunkelheit ein Taxi zu nehmen. Die Fahrzeuge sind billig und bieten westlichen Besuchern deutlich mehr Schutz vor Kriminalität und Angriffen, als wenn Sie alleine nach Hause gehen. In der Vergangenheit kam es des Öfteren zu Betrugsversuchen in Taxis. Es ist sinnvoll, sich vorab über den ungefähren Fahrpreis zu informieren und auf die Nutzung eines Taxameters zu bestehen.
Die Busse in Orten wie Kairo, Hurghada, Alexandria und Luxor sind ebenfalls vergleichsweise sicher. Deutlich relevanter ist es, sich Gedanken über die Verkehrsmittel bei Überlandreisen zu machen. Das Schienennetz Ägyptens ist stark veraltet und anfällig für Unfälle. Ausnahmen sind die Schnellzüge auf er Strecke zwischen Alexandria und Kairo. Niedrige Sicherheitsstandards herrschen des Weiteren auf den Fährschiffen über das Rote Meer. Bei Überlandfahrten mit dem Bus sollten Sie stets die Sicherheitslage in der jeweiligen Region im Auge behalten. Auf individuelle Autofahrten sollten Sie gänzlich verzichten, es sei denn, Sie erkunden die Küstenabschnitte zwischen Hurghada und Marsa Alam. Selbst hier kann es jedoch zu Überfällen und Entführungen kommen. Entsprechend ist die Begleitung durch Polizei oder Militär anzuraten.

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