Liebe Julia,… solche Anschreiben gehen an Frauen, die gar nicht Julia heißen. Zum Teil sind es sogar Männer, die jene Nachrichten in Empfang nehmen. Insgesamt beschäftigen sich ungefähr zwanzig Sekretärinnen und Sekretäre damit, diese Briefe zu lesen und zu beantworten. Im Schnitt 10.000 im Jahr! Nur – wer ist diese Julia überhaupt?

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Vielleicht kommt Ihnen eine Ahnung, wer die geheimnisvolle Frau sein könnte, wenn wir Ihnen die Anschrift verraten: Verona in Italien. Eine genaue Adresse braucht es gar nicht. Wenn Briefe an Julia, Verona, Italien bei der Post eingehen, weiß man dort direkt Bescheid. Wissen Sie es auch?
Genau! Es handelt sich um diese Julia: der tragischen Figur aus William Shakespeares weltbekannter Liebesgeschichte Romeo und Julia. Angesehen als starke und mutige Frau, die für ihren Traum gekämpft hat, wird sie in der ganzen Welt bewundert.

Rund drei Millionen Menschen pilgern jedes Jahr nach Norditalien, um die Stadt zu besichtigen, in der die Geschichte des Liebespaares stattfand. Ziel: die Casa di Giulietta. Um den Besuchern Veronas eine besondere Attraktion zu bieten, wurde das heruntergekommene Haus, in dem Julia einst gelebt haben soll, im Stil des Mittelalters renoviert, um die Legende dieser jungen Frau am Leben zu erhalten. So wurde auch ein ausgedienter Sarkophag aus dem 14. Jahrhundert zum Balkon umfunktioniert, schließlich nimmt die Balkonszene in der Geschichte der zwei Liebenden eine tragende Rolle ein. 1972 wurde sogar eine Julia-Statue vor dem Haus aufgestellt, um die Authentizität der Erzählung hervorzuheben.

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Bittbriefe an Julia wurden bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts an ihrem Grab im Kloster San Francesco al Corso hinterlegt. Später wurde der zu diesem Zeitpunkt bereits leere Sarkophag in die gotisch hergerichtete Gruft verlegt, um den Touristen, die zu Ehren Julias in die Stadt pilgern, eine noch romantischere Szenerie darbieten zu können.

Insgesamt ist die Umgebung so romantisch gestaltet worden, dass die Leute anfingen, Briefe an Ettore Solimani zu verfassen, den damaligen Verwalter der Anlage, um ihm ihre Bewunderung für das Ergebnis auszusprechen. Dieser antwortet ihnen und unterschrieb als „Julias Sekretär“. Das geschah bereits in den 1930er Jahren.

Heutzutage werden alle Briefe, die an Julia adressiert sind, an den „Club di Giulietta“ weitergeleitet. 1975 wurde die Organisation von Giulio Tamassia gegründet, die sich unter anderem den Briefen an Julia annahmen. Mittlerweile arbeiten ca. 20 Frauen und Männer ehrenamtlich als Sekretäre in Verona. Heute ist ihre einzige Aufgabe: stellvertretend für Julia zu antworten. Aufgeteilt nach den verschiedenen Sprachen, werden die Briefe nach dem Schwierigkeitsgrad eingeordnet und beantwortet. Traurige und berührende Nachrichten von jungen Frauen, die sich ihren Liebeskummer von der Seele schreiben, überwiegen. Julias Stellvertreterinnen versuchen mit ihren Antworten verständnisvoll zu reagieren und den Absendern zu helfen. Natürlich handschriftlich und persönlich auf jede einzelne Nachricht bezogen. Unterstützt wird diese Organisation von Sponsoren. Das Briefporto übernimmt die Stadt.

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Neben den Briefen, die per Post eingehen, hinterlassen die Besucher der Casa di Giulietta auch Notizen an der Liebesmauer vor dem Haus. Aber – ob lange oder kurze Zuschriften, ob aus Verona oder Russland, der Inhalt dreht sich stets um dasselbe Thema: die Liebe.

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st

 

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