Tunis ist die vielleicht schönste Metropole Afrikas. Mit dem Versprechen ewiger Größe lockt sie ans Mittelmeer. Und mit reinsten Parfums.

Parfum ist nicht gleich Parfum. Das weiß ich spätestens, seit ich in Tunis war.
Parfums herzustellen, das habe ich dort erfahren, ist angewandte Wissenschaft. Eine Wissenschaft, die das Ziel hat, möglichst wenige natürliche Duftstoffe mit möglichst viel billigem Alkohol zu verdünnen, um am Ende möglichst viel Geld zu verdienen. So jedenfalls hat es mir der Händler erklärt, der mich – in einwandfreiem Deutsch – zuerst durch die Gassen der tunesischen Hauptstadt führte, um mich dann zum Tee einzuladen. Natürlich in seinen Parfumladen. Gratis kann ein eineinhalbstündiger Stadtrundgang schließlich nicht sein.

Der Händler ist für mich bis heute namenlos geblieben. Betörend aber waren die Gerüche in seinem Laden, und lukrativ war letzten Endes auch das Geschäft, das er mir vorschlug: einen Viertelliter „Huile de Carthage“, reinstes Öl mit einem Hauch von Zitrus und einem noch größeren Hauch von Geschichte, zum Preis von zwanzig Euro. Ich habe das Karthago-Öl ganz vorsichtig mit nach Hause genommen, es mit billigem Alkohol versetzt und warte noch heute darauf, dass sich die Flasche leert.

Tunis entdecken

So bleibt eine Stadt in ständiger Erinnerung, die in ihrer ganzen Pracht wirkt wie die reichste Afrikas, und jedenfalls schöner als Marseille, das gleich gegenüber am anderen Ufer des Mittelmeers liegt: Tunis hat seine Geschichte gepflegt, ebenso wie seine drei Millionen Einwohner ihre Gegenwart genießen. Nicht nur auf dem Markt herrscht zu fast jeder Tageszeit reges Treiben, auch in den Parks und Diskotheken tummelt sich – freizügig und westlich chic – die Jugend.

„Métro léger“, es ist bezeichnend, heißt die S-Bahn, die die Außenbezirke Tunis’ mit dem Zentrum verbindet. Ein Kanal führt direkt ans Meer, und Tagesausflüge dorthin sind ein willkommener Ausgleich für das Besichtigungsprogramm, das die Stadt jedem Besucher abnötigt. Unbedingt empfehlenswert sind die zahlreichen Moscheen und das Bardo-Museum: Im ehemaligen Harem des Palastgebäudes sind Modelle antiker Stätten, Steinwerkzeuge, Sarkophage, Statuen, Lampen und vieles mehr zu sehen.

Spätestens hier wird der Urlauber gewahr, dass das nur ein paar Kilometer entfernte Karthago einmal das Nebenzentrum der Welt war, fast so groß wie Rom. Die Überreste künden von geschichtlicher Ewigkeit. So wie Tunis wohl immer duften wird – auch dann, wenn das „Huile de Carthage“ nur noch die Erinnerung ziert.

ZU DEN ANGEBOTEN VON WEG.DE

Schreiben Sie einen Kommentar