In den Märkten von Monastir erleben Reisende arabische Mentalität hautnah.
Genüsslich haucht der bärtige Alte den Rauch aus. Starrt in die Ferne. Hängt seinen Gedanken nach. Er nimmt noch einen Zug. Das Wasser gurgelt in dem schlichten grünlichen Glas der Wasserpfeife. Nicht weit entfernt ruft der Muezzin. Der Alte sieht auf.

Herausgerissen aus seiner Ruhe. Und zurückgeholt in den geschäftigen Souk von Monastir.

Der Blick des Mannes schweift über die Stände und die hektischen Händler. Wild gestikulierend preist einer seine Datteln an. Es seien die besten der ganzen Stadt. Natürlich. Nein, noch weiter könne er im Preis nicht nachgeben. Seine Kinder hätten schließlich Hunger! Und erst die kranke Mutter! Aber auch sein Gegenüber, kaum jünger und ebenso bärtig wie derDattelhändler, wartet mit solchen Geschichten auf. Und so wird diskutiert und gefeilscht. Erst nach Minuten kommen die beiden ins Geschäft, der Käufer verschwindet mit den Datteln und Mandeln in der Menge.

Ein Hauch von Anis

Aus einer Ecke: ein Zischen. „Ignorieren!“ So steht es in jedem Reiseratgeber für Frauen. Man hatte mich also gewarnt. Nun schaue ich doch: Ein paar kleine Jungs verstecken sich hinter einem Holzverschlag und fangen an zu kichern. Früh übt offenbar, wer ein Pascha werden will. Wirklich Angst müssen Touristinnen aber nicht haben, auch wenn sich nur wenige Tunesierinnen – viele unverschleiert – neben ihnen durch die Gänge des Souks drängen.

Auch in den Straßencafés sitzen nur Männer, hinter den Gewürzkörben, in den Zwirnläden, an den Tuchständen. Ohne ein bestimmtes Ziel streiche ich durch die Gassen – mal dem Geruch des Anis folgend, mal den safrangelben Schal im Blick, den ein warmer Windhauch bewegt.

Der Lauf der Geschichte

Und so stehe ich auf einmal vor dem Eingang des Ribat, der alten islamischen Festung. Einst wehrten sich hinter deren Mauern Kriegermönche, die Mourabitun, gegen die Kreuzzüge der Christen. Heute lässt man Europäer gerne in die Klosterburg. Über viele Stufen steige ich im Nador, dem Rundturm hoch. Dunkel und eng ist es, aber die Mühe lohnt. Von oben aus sieht man nun die vielen Mauern, Türme, Zinnen und maurischen Bögen im Inneren der Anlage. Von draußen hatte die Festung wie eine Sandburg gewirkt – kompakt mit den glatten, fast fensterlosen Außenwänden. Nun erinnert alles an eine Baukastenburg. Unübersichtlich, mit zu vielen eingebauten Teilen, verschachtelt. Immer wieder war sie im Laufe der Geschichte erweitert und umgebaut worden.

Mein Blick schweift auf die eine Seite des Ribat. Auf das Meer mit den beiden kleinen Felseninseln, auf die palmengesäumte Uferpromenade, auf der Strand. Zur anderen Seite hin breitet sich die Medina aus, die Altstadt mit dem Souk. Dort steht auch die Moschee. Ich starre in die Ferne. Und vom Minarett herab ruft wieder der Muezzin.

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