Im Teil 1 des Team Tipps hat unser Quality Manager Kai die ersten Etappen seiner Wanderung von München ins Karwendel beschrieben. Nun geht’s weiter: Lesen Sie selbst, was ihm auf dem Weg von Isarhorn bis zum Isarursprung wiederfahren ist.

Strohütte

Tag 5: Isarhorn – Scharnitz

Tag 5: Da die heutige Strecke bis Scharnitz nur 12 Km betrug, beschloss ich noch einen Gipfel zu besteigen. Das schwere Gepäck ließ ich auf dem Zeltplatz und los ging’s. Über Lausberg (1.854m) und Signalkopf (1.895m) ging es auf den Seinskopf (1.961m). Man hatte eine herrliche Aussicht auf Mittenwald (hier fiel besonders der Kasernenkomplex der Gebirgsjäger ins Auge), Krün und Wallgau bis zum Walchensee und natürlich auf die umliegenden Wetterstein- und Karwendelgipfel. Bergab ging es denselben Weg. Der Abstecher schlug mit ca. 1.100 Höhenmeter zu Buche.

Grenze zu Tirol

Auf dem Campingplatz schnappte ich mir Zelt und Rucksack und weiter ging es. Mittenwald wurde rechts liegengelassen, aber kulturell Interessierten sei das Geigenbauermuseum ans Herz gelegt und das schöne Ortzentrum. Der Weg führte entlang der Fernverkehrsstraße, welche rechts gut frequentiert war, aber irgendwann hatte auch dies ein Ende und mich grüßte der Tiroler Adler – Willkommen in Scharnitz und somit Österreich. Rechts oberhalb im Wald befinden sich noch Überreste der Porta Claudia, einer Befestigungsanlage aus dem 30jährigen Krieg.

Berge

Harmonisch eingebettet, schloss sie früher wie ein Riegel das gesamte Tal ab. Erst 1805 fiel die Feste durch bayrischen Verrat den Franzosen in die Hände, worauf sie bald danach geschleift wurde. Von hier aus hat man schöne Ausblicke auf Mittenwald bzw. Scharnitz. In der Touristeninformation im Ort befindet sich auch ein kleines Karwendel-Informationszentrum, in dem man sich in kurzer Zeit einen guten Überblick über die Umgebung verschaffen kann.

Bach und Tal

Heute war der erste regenfreie Tag. Nachdem ich für die nächsten 2 Nächte im Karwendel-Camp eingecheckt hatte, schmeckte die Pizza beim Italiener ggüber der Kirche gleich noch einmal so gut. Bei einem einheimischen Bier merkte ich auf einmal, wie gut es mir eigentlich schon die ganze Zeit geht. Keinerlei elektronische Spielerei stört, man braucht keine Uhr, sondern läuft einfach vor sich hin. Dies hat etwas ungemein Entspannendes und mit der Zeit sogar Meditatives an sich. Die wichtigste Frage ist: Wie wird das Wetter morgen? Wenn da nur nicht der Rucksack wäre, der irgendwann doch ziemlich schwer wird und drückt…

Tag 6: Karwendel-Camp – Isarursprung

Tag 6: Heute ging es durch das Hinterautal zum Isarursprung. Bis zur Quelle waren es ca. 14 Km auf einer Forststraße, die auch zurückgelaufen sein wollten und für den Nachmittag war wieder Regen angesagt. Am Gasthof Wiesenhof zweigten die Wanderer ab, die die Pleisenspitze (2.569m) besteigen wollten und man selbst hatte auch einen gemächlichen Anstieg vor sich. Danach verlief der Weg fast immer auf derselben Höhe, um nach ca. 1 Stunde wieder auf Isarniveau abzufallen. Überall plätscherten munter kleine Wasserläufe und Bäche von den Hängen der Isar zu und kurz nach dem Jagdhaus Hubertus (privat, nicht bewirtschaftet) haben kreative Hände eine ganze Armee von Steinmandln errichtet. Schätzungsweise weit über einhundert.

Steine und Bach

Und dann war sie da. „Bei den Flüssen“ lautet die Flurbezeichnung. Eigentlich gibt es nicht DIE Isarquelle, sondern das Wasser tritt an verschiedenen Stellen aus dem Berghang um sich nach kurzer Zeit zu vereinen. Nun hat sie einen Weg von 283 Km vor sich, bis sie bei Plattling in die Donau mündet. Der Quellbereich ist eingezäunt und an versteckten Stellen sind Bänke für eine verdiente Rast aufgestellt. Überall gibt es kleine Pfade und wer sich bückt, kann Blaubeeren pflücken. Eine dreiviertel Stunde saß ich dort und habe nur dem Plätschern zugehört. Kein anderer Wanderer kam vorbei. 145 abwechlungsreiche Kilometer lagen hinter mir. Manchmal wuselige Orte und nerviger Asphalt, dann wieder Natur pur.

Dorf und Berge

Neben den verschiedenen Landschaften, die ich durchwanderte, waren die Leute sehr interessant, die man unterwegs so trifft. Sie sind größtenteils offen, kontaktfreudig und an einem interessiert. Gleich zu Beginn wurde ich gefragt, ob ich nach Santiago de Compostela pilgere, da hier ein Stück des Münchner Jakobsweg verläuft. Dann trifft man wieder Wanderer, die vom Marienplatz zum Markusplatz (München-Venedig) unterwegs sind. Dazu kommen noch die Tagesausflügler und Urlauber, die nur etappenweise unterwegs sind. Jeder hat etwas zu erzählen, man geht ein Stück gemeinsam oder sitzt beim Abendbrot zusammen. Und wenn einem danach ist, kann man auch ganz schnell wieder mit sich und der Welt alleine sein.

Bergpanorama

Tag 7 und 8: Walchensee

Tag 7 und 8: Der Rest ist schnell erzählt: Da ich noch zwei Tage Zeit hatte, nahm ich den Zug von Scharnitz nach Mittenwald und wanderte von dort über die Buckelwiesen via Krün und Wallgau an den Walchensee. Die Buckelwiesen sind eine interessante geologische Formation, nur Schatten ist Mangelware, denn hier knallte die Sonne gut runter. Am Walchensee kam ich mit Mühe und Not noch auf dem gleichnamigen Campingplatz unter. Wassersport wird hier groß geschrieben und alle Fans von Bulli Herbig können am Ufer das Wikingerdorf aus „Wicki und die starken Männer“ besichtigen.

Wickingerschiff

Am nächsten Tag startete ich entgegen dem Uhrzeigersinn um den Walchensee. Die ersten 2 Stunden ging es ziemlich öde auf einer Mautstraße entlang, aber dafür verschob sich der Blick auf das Bergpanorama ständig. Am gegenüberliegenden Ufer steht noch das Wikingerboot aus dem erwähnten Film. Hier wird der Weg auch fußfreundlicher. Bis nach Urfeld waren es noch weitere 2 Stunden, wo für mich der Urlaub zu Ende ging und der Bus nach Kochel auf mich wartete. Alles in allem hatte ich eine schöne Zeit.

Technische Daten:

Strecke München – Isarursprung (mit Rückweg nach Scharnitz): 160 Km
Tägliche Strecke: zwischen 28-32km
Tägliche Gehzeit: 7-10h
Gepäck: ca. 14kg (davon 2l Wasser plus Proviant)
Karte: Radwanderkarte Maßstab 1:50.000 (geht zur groben Orientierung, besser sind Wanderkarten 1:25.000)
Vorreservierung: keine

ZUM ANGEBOT

 

 

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