Meine Geheimtipps für Prag: Unser Urlaubsexperte Kai kennt Prag wie seine Westentasche und verrät Ihnen besondere Tipps, die man im Reiseführer gern mal überliest.

Prag in 72 Stunden

Aufbauend auf dem Team Tipp Prag meiner Kollegin, möchte ich hier noch ein paar lohnenswerte Ziele nennen, die nicht unbedingt im Reiseführer unter den Top 10 zu finden sind. Die aber besonders für Wiederholer, Ecken der Stadt zeigen, die man normalerweise außen vor lässt. Wer mehrere Tage in Prag ist und nicht nur das Stadtzentrum erkunden möchte, für den lohnt sich der Erwerb eines 72h-Tickets. Mit ihm kann man alle öffentlichen Busse, Trambahnen und die Metro benutzen.

team-tipp-prag_52053_67780

Petřín: Aussichtsturm mit Rundumblick

Zuerst noch eine kleine Ergänzung zum Aussichtsturm auf dem Petřín. Im Untergeschoss befindet sich ein kleines, aber feines Museum zur Geschichte der Prager Türme mit besonderem Augenmerk auf den Petřínská Rozhledna. Die Aussicht ist wirklich gut. In Richtung Osten erkennt man den Prager Fernsehturm, der ebenfalls einen Besuch wert ist. Er erinnert entfernt an ein Raumschiff aus einer 60er-Jahre SiFi-Serien, was durch die an ihm auf und ab kriechenden Baby-Aliens noch verstärkt wird. Oben befindet sich ein kleines Restaurant, wo man mit einem Drink in der Hand die Aussicht genießen kann.

team-tipp-prag_64375_68162

Wer einen anderen, nicht alltäglichen Blick auf die Stadt möchte, der sollte zur Metrostation Vyšehrad (Linie C) fahren. Dort sieht man von links nach rechts zuerst die Kirche Vyšehrad, am Horizont den Aussichtsturm auf dem Petřín und daneben die Spitze des Veitsdom auf dem Hradschin. Im Vordergrund gleitet der Blick auf das tiefe Tal des Moldauzuflusses Botič. Am gegenüberliegenden Talhang befinden sich die Mauern der Bastionen, welche mit stattlichen Herrenhäusern und Kirchtürmen geschmückt sind. Ganz rechts schließt sich nun der Fernsehturm an.

Idyllisch: der Kudratitzer Wald

Wenn man sich schon in der Linie C befindet und dem Trubel der Stadt entfliehen möchte, kann man bis zur Endstation Háje fahren und im Kundratitzer Wald spazieren gehen. Dort warten die Ruinen der Burg Nový Hrad auf die Besucher oder man folgt dem Lauf des Baches und stärkt sich in einer der mehr oder minder versteckten Schänken.

Olsany Friedhof: Mystische Ruhe

Ein anderer Ort der Ruhe ist der Olsany Friedhof (Olsanské hrbitovy) – zu erreichen mit der Linie A bis Station Flora. Es mag einigen vielleicht makaber erscheinen einen Friedhof zu besuchen, aber einen ruhigeren Ort findet man kaum. Da er ziemlich groß ist, sollte man sich zur Besichtigung die ältesten Abteilungen 1+2 (gleich nach dem Eingang links) herauspicken. Zwischen halb umgefallenen, mit Efeu überwucherten Grabsteinen und Kreuzen kann man herrlich herumschlendern. An den Mauern sind stellenweise prunkvolle Familiengräber, jedoch nagt überall der Zahn der Zeit. Doch gerade dies macht den morbiden Charme aus. Mein Besuch fiel um die sonnige Mittagszeit, doch an einem grauen, nebeligen Novembermorgen bzw. in der Dämmerung macht es bestimmt noch mehr Spaß.

team-tipp-prag_61433_65326

Zurück am „Licht“ gibt es einen weiteren Ort, der von Touristen kaum besucht wird. Es handelt sich um das Nationaldenkmal Jan Žižka auf dem Veitsberg (Vítkov). Ein riesiges Reiterstandbild aus Bronze krönt die Anlage, welche aus großen Steinquadern errichtet wurde. Im Inneren befindet sich neben einem Museum, das Mausoleum vom Klement Gottwald, dem 1953 verstorbenen Staatsoberhaupt. Von hier oben hat man eine gute Aussicht in westlicher Richtung, aber man sollte gut zu Fuß sein, da es einige Treppen zu erklimmen gibt.

Als Tipp für das Nachtleben kann ich den Styx Smart Club in der Straße Sokolovská 144 nennen. Dorthin gelangt man am besten mit der Linie B, Haltestelle Invalidovna. Von Techno und Artverwandtem, über House und Hardcore wird hier vieles gespielt. Mehrmals im Jahr kommen auch die Freunde der dunkleren & härteren Klängen auf ihre Kosten. Daher vorm Besuch die Homepage checken. Unter der Woche, wenn keine Veranstaltungen sind, fungieren die Kellergewölbe als sehr individuelles „Café“.

team-tipp-prag_01743_67347

Raus aus der Stadt: zwei schöne Ausflüge

Wer genug von Prag hat, dem seien noch zwei Ausflüge ans Herz gelegt: Lidice und Kutnà Hora.
Nach Lidice gelangt man in 20 Min. mit dem Bus von der Endstation der Linie A Dejvická. Der Ort erlangte traurige Berühmtheit als er im Juni 1942, als Vergeltung für das vorangegangenen Attentat auf Reinhard Heydrich, komplett ausgelöscht wurde.

team-tipp-prag_82770_65807

Im angeschlossenen Museum erfährt man sehr viel über die Hintergründen der Tat. Steht man am Rand der Gedenkstätte, schaut man in ein liebliches, grünes Tal und kann sich kaum vorstellen, dass hier früher ein ganzes Dorf stand. Nur noch die Fundamente der Kirche, der Schule und eines einzelnen Gehöftes sind heute noch vorhanden. Eine Figurengruppe gedenkt der Kinder von Lidice, die größtenteils umgekommen sind. Für den gesamten Besuch kann man 3 h plus Fahrtzeit veranschlagen.

Kutná Hora: Museum der Alchemie und weitere Highlights

Ebenfalls einen Besuch wert ist die ehemalige Bergbaustadt Kutná Hora (Kuttenberg). Man erreicht sie von Prag aus in weniger als 1h mit dem Zug. Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit ist das Beinhaus in der Kirche Kostnice v Sedlci. In der unterirdischen Kapelle befinden sich die Gebeine von ca. 40.000 Toten. Decken und Wände sind kunstvoll mit Schädeln und Knochen drapiert. Man sollte das Beinhaus jedoch antizyklisch besuchen, sonst ist es schnell voll. In der Altstadt selbst gibt es noch ein halbes Dutzend weitere Kirchen & Kapellen zu besichtigen, wovon die prächtigste die St-Barbara-Kathedrale ist. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf  Teile der Altstadt.

Nicht weit ist es bis zur Burg, in welcher sich ein Silbermuseum befindet. Dort  ist auch der Eingang zu einem Schaubergwerk. In den engen Gassen der Altstadt findet man neben vielen schönen Gebäuden interessante Dinge, wie z.B. die Pestsäule oder den steinernen Brunnen. Manchmal sind sie versteckt und man muss ein bisschen suchen. Da die Gassen und Straßen überall noch Kopfsteinpflaster haben, sind Stöckelschuhe nicht zu empfehlen.

Auf ein kleines Museum, dessen Besuch weniger als 30 Min. in Anspruch nimmt, möchte ich besonders aufmerksam machen: Das Museum der Alchemie. Es befindet sich am Palackého námesti in den Kellergewölben der Stadtinformation. In diesen sind mittelalterliche Szenen von Laboratorien der Alchemisten nachgestellt, die auf der Suche nach dem Stein der Weisen oder dem Elixier der ewigen Jugend waren bzw. versuchten Gold aus unedlen Metallen herzustellen. Die Nachbildung eines Golem gehört auch zum Fundus. Der Besuch lohnt sich wirklich.

team-tipp-prag_23377_66465

Noch ein Tipp zum Geldtausch: Machen Sie einen großen Bogen um die Wechselstuben der Western Union am und um den Wenzelsplatz!Ich empfehle daher die staatlichen Umtauschstuben im Hauptbahnhof (hlavní nádraží) bzw. am Busbahnhof Florenc.

Frühlingshaftes Prag

Am schönsten ist die Goldene Stadt im Frühjahr, wenn alles anfängt zu blühen und die Schwäne ihre Bahnen über die Moldau ziehen. Genau deshalb habe ich letztes Jahr über das Pfingstwochenende mit meinem Freund eine Städtereise nach Prag unternommen. Bei angenehm warmen Temperaturen bietet es sich an, die Stadt zu Fuß zu erkunden – so lernt man auch die kleinen Schätze Tschechiens kennen. Entlang der kleinen Gassen gibt es zahlreiche Geschäfte, in denen man Kristallkunst bewundern und natürlich auch kaufen kann. Tschechien ist für die Glasbläserei bekannt und so entschied ich mich, eine kleine, gläserne Eule zu kaufen, weil sie mein Lieblingstier ist.

Historisches Prag

Die schönste Aktivität für einen Kurzurlaub in Prag ist ein Spaziergang: Unser tollster führte uns in den westlichen Teil der Stadt. Vom Zentrum aus sind wir zunächst über die Karlsbrücke gelaufen und haben uns dort von all den Straßenkünstlern und Kleinartisten unterhalten lassen. Die Statuen, die den Weg säumen, erzählen die einzigartige Geschichte der tschechischen Hauptstadt. Am anderen Ende angekommen, sieht man dann schon gleich die Tramstation der Linien, die einen hoch zur Burg bringen. Das Gelände der ehemaligen tschechischen Königsfamilie ist riesig und voll mit architektonisch beeindruckenden Gebäuden. Es lohnt sich auf jeden Fall einmal durch die gesamte Festung zu laufen, denn auf der anderen Seite erstreckt sich ein atemberaubendes Panorama über Prag.

Von der Burg aus kann man einen wundervollen Weg durch den Lobkovická Wald zurück in die Stadt nehmen. In dem Waldstück befindet sich auch der sogenannte Prager Eiffelturm, der Petřínská Rozhledna. Diesen kann man besteigen und von dort aus das gesamte Stadtgebiet überschauen. Obwohl ich es wegen meiner Höhenangst nur bist auf die Mittelstation geschafft habe, wurde mir durch die Fotos meines Begleiters versichert, dass die Aussicht von ganz oben noch toller ist.

Ein spannendes Post-Urlaub-Spiel: Eines der Aussichts-Fotos zu nehmen und zu versuchen, die ganzen tollen Dinge, die man gesehen hat, wiederzufinden.

Kulturelles Prag

Neben anderen klassischen Sehenswürdigkeiten wie dem Pulverturm, dem Rathaus und dem Nationalmuseum am Wenzels Platz beeindrucken vor allem die kleinen Museen. Wenn man sich das Wachsfiguren-Museum ansehen will, bekommt man für einen kleinen Aufpreis gleich noch eine Eintrittskarte ins benachbarte Foltermuseum – klingt zwar skurril, ist aber dennoch sehenswert und sogar informativ. Ein paar Schritte weiter befindet sich das Schokoladenmuseum „Choco-Story“, in dem man die Reise der Kakaobohne von Südamerika nach Europa verfolgen kann und in einer Vorführung gezeigt bekommt, wie man Pralinen macht. Und der Eintritt lohnt sich: Am Ende der Vorführung darf man eine frisch gemachte Praline probieren.

Kulinarisches Prag

Pralinen sind jedoch nicht die einzige, süße Verführung, die Prag anzubieten hat. Die Straßencafés füllen sich, wenn die Sonnenstrahlen die Leute raus locken und auch wir konnten den Düften von frisch gebrühtem Kaffee und Gebäck nicht widerstehen. Für eine nachmittägliche Pause empfehle ich das Café Slavia gegenüber vom Opernhaus am Ufer der Moldau. Die Einrichtung ist umwerfen um wem schmeckt eine Sachertorte nicht nochmal so gut, wenn ein Pianist live sein Talent vorführt und man während dessen auf die Flusspromenade gucken kann?

Als wir zurück in die Innenstadt spazierten, kamen wir vorbei an einem kleinen Stand, der ein Gebäck anbot. Da wir aber gerade gegessen hatten, überwand ich meine Neugier. Als jedoch der dritte dieser Stände in Sichtweite kam, konnten wir den verlockenden Duft der Trdelník nicht länger ignorieren. Trdelník – gesprochen wird das wie „Trdla“ mit gerolltem r – sind traditionell tschechische Teigrollen, die über offenem Feuer gebacken und danach in Zucker und Zimt gerollt werden und einfach fantastisch schmecken. Sie sind überall in Prag erhältlich und jede Krone wert.

Durstiges Prag

Bei so viel leckerem Essen bekamen wir natürlich früher oder später Durst. Tschechien ist für seine vielen Biere berühmt und begehrt, warum es nicht schwer ist, eine geeignete „Tränke“ aufzufinden. Wussten Sie, dass es in Prag auch einige Biergärten gibt? Der tollste befindet sich im Park Café im Riegrovy Sady-Park und hat eine kleinen Bühne und eine große Leinwand, die für Entertainment sorgen. Wenn man den Biergarten während der Abenddämmerung verlässt, spaziert man durch den erhöhten Park und hat so einen bezaubernden Blick über Prag – der perfekte Ort, um einen tschechischen Sonnenuntergang zu genießen. In unserem Abendprogramm durfte natürlich ein Besuch der „Beer Factory“ nicht fehlen. In dieser urig eingerichteten Bar findet man im Keller eine ganz raffinierte Inneneinrichtung: Jeder Tisch ist dort mit einem Zapfhahn versehen, an dem jeder selbst sein Bier frisch zapfen kann. Das ist nicht nur lecker sondern macht auch noch richtig Spaß.

Neben Bier ist Tschechien bekannt dafür, dass man dort noch echten Absinth bekommt. Der beste Ort, um so einen Likör zu probieren ist die Jilská-Bar mitten in der Innenstadt. Dort gibt es nicht nur die günstigsten Angebote der Spezialität, sondern auch die interessantesten Rezepte. Mein Favorit: Ein Absinth Mojito schmeckt unglaublich erfrischend.

ZUM ANGEBOT