„Totally awesome,“ ruft Jason und blickt freudestrahlend den Outer Mongolia Bowl hinab. Das gleißende Sonnenlicht bringt den Pulverschnee zum Glitzern. Tief verschneite Tannen säumen den Hang und rund herum die mächtigen Berggipfel der Rocky Mountains. Alles „totally awesome“. Doch Jason meint etwas anderes. Er ist heute der erste Mensch, der den äußersten der sieben Tiefschneekegel von Vail, Back Bowls genannt, befährt.

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Dabei ist es eigentlich gar nicht mal ungewöhnlich, dort so einsam zu sein, denn im größten Skigebiet der USA fahren im Durchschnitt nur fünf Menschen gleichzeitig pro Hektar. ImOuter Mongolia Bowl sogar noch weniger. Denn nur wenige Skifahrer beherrschen ihre Bretter gut genug, um sich auf diese und andere nicht nur bedrohlich klingende Abfahrten wie „Rasputin’s Revenge“ zu begeben. Für Jason kein Problem. Wie besessen pflügt er durch denTiefschnee, das Bild erinnert an einen Film von Freerider-Guru Warren Miller. Nicht abwegig, denn der drehte schon auf den Back Bowls. Dessen Darsteller Chris Anthony wohnt sogar in Vail und ist hier Stammgast. So wie Jason. Der lebt in der nahen Metropole Denver, aber, so wirft er eilig hinterher, auch wenn er in Kentucky wohnen würde, würde er Vail treu bleiben. Er ist nicht der Einzige – die Amis sind verrückt nach dem Skigebiet. In den letzten 17 Jahren wählten sie es ganze 14 mal zur Nummer 1 der USA.

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Und Aspen? Bei der Bewertung der besten Abfahrten ging der legendärste aller Wintersportorte der USA jedes Mal leer aus. Dafür kann man sich dort mit jeder Menge Kaviar und Champagner trösten. In Vail liegt der Champagner hingegen auf der Piste: An manchen Tagen ist das Pulver an den Hängen so fein, dass die Einheimischen den Schnee Champagne Powder nennen.

Tiefschneeparadies Vail

Wenn man in Vail überhaupt von Einheimischen sprechen kann. Denn anders als die meisten Orte in den Rockies, die früher Goldgräberstätten waren und später zum weißen Gold umschwenkten, entstand Vail erst mit der Gründung des Skigebiets. Das ist gerade einmal vierzig Jahre her. Ursprünglich hatte man den Namen Shining Mountain auserkoren. Doch dann fand man, der glänzende Berg klänge nach glitschigen Eispisten, nicht nachTiefschneeparadies. Also wurde der nahe gelegene Vail Pass zum Namensgeber. Die zweite Inspiration: Tirol. Beim Bau des Ortes orientierte man sich so stark an der Alpenregion, dass oft nur die röhrenden Pick-Ups daran erinnern, in welchem Land man hier eigentlich ist. Die fahren allerdings nur am Stadtrand. Denn auch hier gibt sich Vail europäisch: Das Stadtzentrum ist Fußgängerzone.

Einmalig: Skifahren in den Rocky Mountains

Und der Ort wächst weiter. In den letzten Jahren meist in eine Richtung: Luxus! Immer mehr Urlauber wollen nicht mehr nur Ski fahren, sondern sich auch nebenher etwas Gutes tun. Also hat die neue Hotelgeneration aufgerüstet: kulinarisch gibt es inzwischen Entenbrustfilet statt Chicken-Burger und in den neuen Wellness-Zentren werden müde Beine wieder fit geknetet für den nächsten Tag auf der Piste. Fit muss man in Colorado schließlich sein, insbesondere wenn man die Tage nicht nur im Skigebiet von Vail verbringen möchte. Die Hänge vonBeckenridge, Keystone und Beaver Creek sind gleich in der Nachbarschaft und werden deshalb als Skipass-Kombi angeboten – für die, die Zeit haben, versteht sich. Zu denen gehört Jason nicht. Morgen früh erwartet ihn kein King Size-Hotelbett mit Blick auf den Vail Mountain, sondern der Schreibtisch in Denver.
Der Tagesausklang beim Après-Ski muss daher ein anderes Mal in Angriff genommen werden. Aber, so versichert er, das sei auch das einzig betrübliche an diesem Tag. Sonst war allestotally awesome.

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