Nach ein paar Tagen Mailand mit Shopping, Galerien und Museen braucht wohl jeder dringend ein bisschen Ruhe und frische Luft. In geringer Entfernung von dem ganzen Verkehr und Beton der City liegen die italienischen Seen; die wilde Natur des Gardasees, der wunderschöne von den Alpen umgebene Comer See und die Gärten der Borromäischen Inseln, einem pittoresken Archipel mitten im Lago Maggiore. Wer kleine Städte liebt, kann sich in nördlicher Richtung vom mittelalterlichen Charme von Bergamo Alta betören lassen.

Gardasee

Der größte und abwechslungsreichste der italienischen Seen ist zugleich mein Lieblingssee. Das liegt einerseits an den wilden Landschaften, andererseits an den zahlreichen Aktivitäten, die hier angeboten werden. Zum Relaxen fahre ich am liebsten nach Sirmione am südlichen Ufer. Besonders gern spaziere ich durch die kleinen Gassen und zum Scaliger-Schloss am Seeufer. Im Sommer gehe ich oft zum winzigen Strand von Sirmione und liege in der Sonne oder bade im türkisfarbenen Seewasser, ganz im Einklang mit der Natur um mich herum.
Das nördliche Ufer des Gardasees, rund um die Städte Riva del Garda und Torbole, ist ursprünglicher und auch viel windiger als das feine Sirmione. Es ist ein Mekka für Fans aller möglichen Outdoor Aktivitäten. Von Segeln bis Mountainbiking, von Klettern bis Surfen, wer ein Wochenende voller Adrenalin in einer tollen Umgebung verbringen möchte, ist hier genau richtig.

Garda See Blick von Torbole

Comer See

Von Dichtern und Filmstars verehrt, steht der Comer See, genau wie der Gardasee, ganz weit oben auf der Liste der Seen mit den schönsten Landschaften. Immer wenn mir der Verkehr und Stress in Mailand zu viel wird, nehme ich den Zug von Mailand Cadorna zum Comer See, um einen Nachmittag lang am Ufer, inmitten der Alpspitzen, spazieren zu gehen. Eine wirklich tolle Aussicht hat man, wenn man mit der Seilbahn nach Brunate hoch fährt und ein paar Kilometer zum Faro Voltiano läuft, einem Leuchtturm, von dem man über den See schauen kann. Als ich das erste Mal von hier hinuntergeschaut habe, hat mein Herz kurz aufgehört zu schlagen – die hoch aufragenden Berge, die den schimmernden See umgeben, von der untergehenden Sonne in Gold getaucht…

Blick auf den Comer See von Brunate

Lago Maggiore und die Borromäischen Inseln

Als Kind bin ich mit meinen Eltern an freien Tagen immer zum Lago Maggiore gekommen. Wir sind dann nach Stresa gefahren, das auf der piemontesischen Seeseite liegt, und haben von hier aus die Fähre zu den Borromäischen Inseln genommen, einem ganz besonderen Archipel, der aus Palästen und Gärten besteht. Unser erster Halt war immer Isola Bella. Wir haben den barocken Palazzo Borromeo besucht, der der Adelsfamilie gehört, von der auch der Name der Inseln stammt. Dann sind wir durch die im italienischen Stil gehaltenen Gärten gegangen und weitergefahren nach Isola Madre, zu einer Insel, die für ihre romantischen Englischen Gärten bekannt ist, und wo ich immer die Pfauen um die Rhododendren gejagt habe. Ein anderes Lieblingsziel war die winzige Isola dei Pescatori, die Fischerinsel, wo wir zu Mittag Fisch gegessen haben. Es gibt hier in der Nähe nichts Besseres, als den Tag mit einem Abendessen draußen auf der kleinen Insel zu beschließen und dabei auf die kleinen Wellen des Sees und den majestätischen Mottarone-Berg zu schauen.

Isola Bella Lago Maggiore

Bergamo Alta

Einen weiteren Tagesausflug sollte man von Mailand aus unbedingt für Bergamo Alta reservieren, die historische Oberstadt von Bergamo. Ich liebe Bergamo aus zwei Gründen so sehr. Zum einen ist da die mittelalterliche Atmosphäre. Sobald du einen Fuß in den Bereich innerhalb der Stadtmauern setzt, die Bergamo Alta von der Stadt unten trennen, fühlst du dich, als ob du zurückreist in die Zeit der Ritter und Burgfräulein. Man erwartet fast, zwei Ritter in voller Montur die mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen hinunter galoppieren zu sehen. Die beeindruckende Piazza del Duomo sollte man genauso wenig auslassen wie die wunderschöne Kathedrale mit der mehrfarbigen Marmorfassade.
Zum anderen, und das ist der zweite Grund für meine Liebe zu Bergamo, ist die Küche fantastisch – probiere einfach ein beliebiges Restaurant in Bergamo Alta aus und du weißt, was ich meine. Lass dir auf keinen Fall die Casoncelli entgehen, eine lokale Ravioli-Version mit Fleischfüllung, die mit zerlassener Butter serviert werden. Himmlisch!

Blick auf Bergamo Alta von oben

Eine Strasse in der Altstadt Bergamo Alta

ZU DEN ANGEBOTEN VON WEG.DE

Artikel und Fotos: Margherita Ragg