Das spanische Salamanca ist stolz auf seine Geschichte und reiche Kultur – stolz bis zur Anmaßung.

Auf der Herrentoilette der Universitätskapelle von Salamanca findet sich ein befremdlicher Spruch: „Salamanca“, steht dort mit Filzstift geschrieben, „Salamanca ist die Hauptstadt der gesamten iberischen Halbinsel“.

Das stimmt nicht, nicht einmal Madrid kann diesen Anspruch erheben, und Lissabon auch nicht. Aber Salamancas Bürger scheint das wenig zu kümmern. Denn sie wissen: Salamanca, 200 Kilometer nordöstlich von Madrid und 100 Kilometer fern der Grenze zu Portugal gelegen, mag keine Metropole sein. Aber kulturell ist sie eine große Stadt; 2002 hat das sogar die Europäische Union erkannt und Salamanca zur Kulturhauptstadt des Kontinents erkoren.

Die tausenden Künstler, die aus der ganzen Welt anreisten, erwiesen sich damals des Titels mehr als würdig. Hunderte neuer Hotelbetten entstanden in jenem Jahr, auch ein neues Kulturzentrum wurde errichtet. Das Symbol des Kulturhauptstadtjahres, der „Himmel von Salamanca“ – zwölf Sterne auf blauem Grund – hängt noch heute über seinem Eingang.
Dass Salamanca eine tolle Kulturhauptstadt wurde, hat in Spaniens Norden nur wenige überrascht. Schließlich lautet der Spruch der Universität schon seit Jahrhunderten „In allen Wissenschaften die Erste, lehrt Salamanca“. Der Stolz gründet sich auf eine glanzvolle Vergangenheit: Die erste unter Salamancas drei Universitäten war auch die erste des Landes und das Zentrum der Stadt, ehe im 18. Jahrhundert in Salamanca die schönste Plaza Mayor Spaniens erbaut wurde.

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„Das kleine Rom“ nennt sich Salamanca auch heute noch. Allerdings gehen die Argumente dafür inzwischen ein wenig auseinander: Salamanca könne sich kulturell mit Rom messen, sagen die einen. Die Stadt verdiene den Namen eigentlich nur, weil sie wie Rom auf Hügeln erbaut ist, sagen andere. Fest steht, dass sich in Salamanca einst Punier und Römer trafen, um über die Vorherrschaft im Abendland zu entscheiden.

Die Erinnerung daran, das Verharren im Althergebrachten, geht heute in der kleinen Stadt eine seltsame Liaison ein mit der Frechheit, Neues zu wagen: Graduierte der Geschichtswissenschaft begehen ihr Abschiedszeremoniell noch immer nach den Gebräuchen des Jahres 1720. Doch in die reich verzierte Fassade der Kathedrale von Salamanca ist ein kleiner Astronaut gemeißelt und ein nackter Teufel, der an einem Eis schleckt.

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