Reykjavik ist die nördlichste Hauptstadt Europas – und die wichtigste der jüngeren Geschichte.

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Da steht er nun, der Präsident, und sagt, man könne sich ruhig umschauen in seinem Haus. Könne erst einmal ein paar Sekt nehmen und dann in den ersten Stock gehen zu Reagans Eule und Gorbatschows Standuhr. Könne die schmucklosen Stücke auch in die Hand nehmen – „aber vorsichtig, ist ja doch ein bisschen Weltgeschichte“.
In der Tat: Hätte US-Präsident Ronald Reagan anno 1986 nicht den Amtssitz des isländischen Präsidenten aufgesucht, um Michail Gorbatschow, seinen großen Widersacher im Kalten Krieg, zu treffen, stünde womöglich in Berlin die Mauer noch, in Afghanistan würden die Taliban gegen die Sowjet-Armee kämpfen, und Island, ja Island hätte eben nie Weltgeschichte geschrieben.

Es ist anders gekommen, und so gilt der Gipfel von Reykjavik als Zeitenwende: Reagan und Gorbatschow kamen sich dabei näher, sie diskutierten über Mittelstreckenwaffen, über Kriege im Weltraum und über Kinofilme. Und wenn man Ólafur Ragnar Grímsson, dem aktuellen Präsidenten, glauben darf, dann hat den beiden mächtigsten Männern der Welt auch die Natur auf die Sprünge geholfen: Island, sagt Grímsson, sei ja ein wesensmäßig unpolitischer Ort – in dem Sinne, dass Politik Menschen braucht. „In Island aber regiert nicht der Mensch, sondern die Natur um der Natur willen. „Versteht man den Präsidenten richtig, meint er wohl, dass Reagan und Gorbatschow sich ziemlich klein vorgekommen sein müssen inmitten von Geysiren, von meilenweiten Moos-Landschaften und von nachhaltiger Dunkelheit – sie trafen sich im Oktober.

So geht es Besuchern Islands auch heute –und das ist gut so: Denn die Weite schüchtert nicht ein, sie inspiriert. Kritiker mögen Island als karg bezeichnen, Bewunderer des Landes finden hier zu sich selbst. So wie es die Stammesoberen des Landes einst taten: In Thingvellir, etwa 100 Kilometer östlich von Reykjavik gelegen, trafen sie sich im Jahre 930, um das älteste noch bestehende Parlament der Welt zu gründen. Moose und Flechten markierten ihren Arbeitsplatz, der heute auf vielen Touren gleich nach dem Ort Geysir und dem monumentalen Wasserfall Gullfoss – und noch vor der Blauen Lagune – besichtigt wird.

Die Symbolik des Ortes rührt allerdings aus tiefer gründigem: Thingvellir liegt ziemlich genau dort, wo Islands europäische Hälfte – unter dem vulkanischen Land liegen ja die Platten – auf die amerikanische trifft. Reykjavik, sagt Ólafur Ragnar Grímsson, sei insofern der natürliche Ort für den Gipfel von 1986 gewesen, „der Verbindungsstück in einer zweigeteilten Welt“ (ganz einig wurden sich Gorbatschow und Reagan in Reykjavik übrigens doch nicht: Gorbatschows Forderung nach „grundsätzlicher Ebenbürtigkeit“ wollte Reagan nicht erfüllen: Der Russe klagte unter anderem, dass in amerikanischen Kinos zu wenige sowjetische Filme gezeigt würden. Reagan antwortete, dass er darauf keinen Einfluss habe – „aber wenn Sie uns mit Ihren Streifen überfluten wollen: nur zu“. Es ist anders gekommen. Dank Reykjavik).

Highlights in Island

Vatnajökull: Europas größter Gletscher (8000 Quadratkilometer); James Bond war hier unterwegs. Liegt aber dummerweise im fernen Osten des Landes. Beruhigend: fünf Esso-Tankstellen in der Nähe.
Blaue Lagune: Weltberühmte Heilquelle. Besser als der gleichnamige Film und günstiger als die Cremes von „Blue Lagoon“ – ein Bad verspricht anhaltende Jugendlichkeit. (30 Kilometer westlich von Reykjavik; www.bluelagoon.is)
Geysir: Ort, der springendem Wasser seinen Namen gab. (150 Kilometer östlich von Reykjavik; beruhigend: hat Esso-Tankstelle)
Papageientaucher: besondere Vogelart mit 10 Millionen Angehörigen; in der Jugend zu tapsig, um ans Meer zu finden. Menschenkinder helfen nach und schaffen sie – Mitte August – in Papierboxen an die Strände. Machen sich aber auch gut auf jedem Speiseplan.
Nachtleben in Reykjavik: Exzessiv, am Wochenende. Kneipen-Tipp: KaffiBrennslan (direkt neben dem Hotel Borg am Hauptplatz Austurvöllur); Restaurant-Tipp: Kaffireykjavik; Tipp für Singles: Alleine um den Block fahren – so macht man auf sich aufmerksam. Hell genug ist es ja, wegen der…
Mitternachtssonne: Hält im Sommer wach und lebensfroh – Isländer fahren auch schon mal morgens um zwei zur Arbeit, wenn ihnen danach ist.

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