Die italienische Metropole ist eine der spannendsten Städte in Italien. Kreative bringen neue Trends und internationalen Flair. Die Stadt ist nicht nur facettenreich, sondern durch den ständigen Wandel modern und urban. Trotzdem verzichten die Mailänder natürlich nicht auf ihre Traditionen. Aber: Modernes Design schätzen die Mailänder in Kombination mit Tradition und verbinden beides mit einer Raffinesse und Leichtigkeit, wie es nur die Italiener können. Die schönsten modernen Spots der Stadt hat uns Mattia gezeigt:

Blick auf das Spira Hochhaus

Als ich nach einer längeren Abwesenheit nach Mailand zurückgekehrt bin, habe ich in einer Wohnung im 5. Stock des Mailänder Chinatowns gewohnt. Am meisten hat mir an dieser Wohnung der Blick auf das Porta Nuova Viertel gefallen, der über die Dächer des Zentrums bis zum Horizont reichte. Das war ein sehr seltsames Panorama. Ich habe während meiner ganzen Zeit an der Universität in Mailand hier gelebt und hatte mich an einen bestimmten Typ Stadt gewöhnt. Dann hat sich die Stadt, die ich kannte, plötzlich verändert: Ein ganz neues, anderes Viertel ist entstanden und niemand erinnert sich mehr genau daran, was früher hier war. Es war einfach eine große, leere Fläche, auf der sich vor einem Jahrhundert der alte Hauptbahnhof befand. Ich selbst erinnere mich davon nur an einen traurigen Luna Park und an die große Leerstelle zwischen den 60er Jahre-Hochhäusern und dem Zentrum. Jetzt ist diese riesige Zone das, was viele das Mailand der Zukunft nennen, und die Gebäude hier haben die Skyline der Stadt verändert.

Zuerst haben viele Leute die neuen Hochhäuser mit Skepsis betrachtet, aber dann haben sich die Einwohner schnell an diese neue Zone gewöhnt, die jetzt ganz alltäglich für sie ist. Ich glaube auch, dass es den Mailändern insgeheim ganz gut gefällt, sich ein bisschen wie in New York zu fühlen.

Um diese Zone zu besichtigen, startet man am besten an der Piazza Repubblica, einer großen Kreuzung zwischen dem Stadtzentrum und den nördlichen Vierteln Richtung Stazione Centrale. Von hier aus kann man sofort den “Diamante” sehen, der hinter den Luxushotels an der Piazza zum Vorschein kommt. Davor befindet sich der neue Platz, der nach der Architektin Lina Bo Bardi benannt ist. Es gibt auch einen Park, der den Bürokomplex, zu dem der Diamante gehört, von den sogenannten Stadtvillen trennt: Elegante, niedrige Gebäuden mit großen Fensterfronten.

Das beeindruckende Diamante Hochhaus

Diamanto Hochhaus bei Sonnenuntergang

Dieser Park wird immer mehr zu einem Treffpunkt, denn von dort gelangt man in einem angenehmen Spaziergang zur Piazza Alvar Aalto mit den drei schwarzen Türmen. Der höchste dieser Türme, die Solaria, hat 34 Stockwerke und ist das höchste Wohnhaus Italiens. Von der Piazza Alvar Aalto aus führt eine Fußgängerbrücke in Richtung Stazione Garibaldi. Dabei läuft man über die via Gioia, eine wichtige urbane Arterie. Bevor der Martesana Fluss, der früher hier verlief, zugeschüttet wurde, fuhren auf der Strecke Schiffe entlang. Längs dieser Achse stehen viele Gebäude, mit denen man immer wieder versucht hat, hier ein Zentrum aufzubauen. Nicht weit entfernt befindet sich das Pirelli-Hochhaus, bis vor wenigen Jahren das höchste Gebäude Italiens. Jetzt wird es vom Sitz der Regione Lombardia überragt, welcher von überall im Viertel Porta Nuova zu sehen ist.

Piazza Alvar Aalto

Nach der Brücke und der via Gioia findet man sich auf einem runden Platz wieder, der sich zu einem wichtigen öffentlichen Raum entwickelt hat: Der Platz Gae Aulenti unter dem Unicredit-Turm (er gehört der Unicredit Bank und hat daher seinen Namen). Dieser Platz ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt: Von hier aus kann man im Norden das Viertel Isola erreichen (mit den beiden preisgekrönten Türmen des “Bosco Verticale”), gelangt in den drittgrößten Park der Stadt (der für den Zeitraum der Expo in ein Weizenfeld verwandelt wird) und erreicht die Stazione Garibaldi.
Auf dieser ganzen Strecke wird noch an vielen Stellen gebaut; was zeigt, dass das Viertel noch nicht fertig ist, sondern in der Zone noch viel Potential steckt, das bisher nicht vollständig genutzt wurde.

Wenn man von der Piazza Gae Aulenti weitergeht, lässt man all das Glas und Eisen der Moderne hinter sich und taucht in die viel traditionellere Umgebung des Corso Como ein, wo zwischen Boutiquen und trendigen Lokalen noch überlebt hat und verteidigt wird, was in Italien “Milano da bere” genannt wird, das Mailand des Ausgehens. Dazu gehört die Vorstellung von Mailand als Stadt des Jet-Set, der Medien und des Nachtlebens, die fest in den Köpfen vieler Italiener verankert ist. In Wirklichkeit hat Mailand viele verschiedene Facetten und dieses Viertel ist vielleicht der beste Beweis: Das Neue und das Alte bestehen nebeneinander und wenn man genau hinschaut, gibt es keine großen Widersprüche.

Piazza Gae Alenti

Artikel und Fotos: Mattia Villa