Mehr als 300 Sonnentage pro Jahr, über 1.300 km Küstenlinie und atmosphärische Städte mit orientalischem Flair – Tunesien gilt seit vielen Jahren als eine der beliebtesten Reisedestinationen Nordafrikas. Familien, Paare und Wellness-Urlauber lieben die landschaftliche Vielfalt, die auch atemberaubende Wüstenlandschaften umfasst. Trotzdem stellen sich viele Reisende seit dem Arabischen Frühling 2010 und den terroristischen Anschlägen 2015, 2018 und 2019 in der Innenstadt von Tunis die durchaus berechtigte Frage: Ist Tunesien derzeit ein sicheres Reiseziel? Grundsätzlich lässt sich das mit einem Ja beantworten. Tunesien gilt heute als das einzige demokratische Land der arabischen Welt.

Ist Tunesien sicher? Hintergründe und Antworten

Hintergründe zur innenpolitischen Lage Tunesiens

Der Winter 2010/2011 stand nicht nur in Tunesien unter dem Zeichen des Arabischen Frühlings. Der Ausrufung des Ausnahmezustandes folgten die Auflösung der Regierung und schließlich Neuwahlen im Herbst 2011. Nach den darauffolgenden politischen Unruhen verabschiedete das Parlament Anfang 2014 eine Verfassung, die aufgrund der darin verankerten liberalen Werte, wie der Glaubens- und Gewissensfreiheit oder der Gleichstellung von Mann und Frau, als einzigartig in der gesamten arabischen Welt bezeichnet werden kann. 2015 wurde Tunesien als „frei“ bewertet und hinsichtlich der Einhaltung der politischen Rechte, seiner Bemühungen um eine Demokratisierung und den fortgesetzten innerstaatlichen Dialog mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Terroristische Anschläge in Tunesien in den Jahren 2015, 2018 und 2019

In den vergangenen fünf Jahren schwappte die terroristische Gewalt, die auf einer islamistischen Weltanschauung basiert, auch nach Tunesien über. Im März 2015 wurde das berühmte Bardo Nationalmuseum in Tunis das Ziel eines Terrorangriffs, der 24 Menschen – darunter 20 Touristen – das Leben kostete. Im selben Jahr wurde der touristisch geprägte Strand des Hotels Imperial Marhaba im Küstenort Sousse zum Ziel eines Amoklaufs, dem 37 Personen zum Opfer fielen. Ein Selbstmordanschlag im Oktober 2018 verletzte über 20 Personen, die sich während der Explosion vor dem Städtischen Theater in Tunis auf der Prachtstraße Avenue Bourguiba befanden. Im Juni 2019 folgten zwei weitere Selbstmordanschläge im Herzen der Hauptstadt, die dieses Mal auf die von internationalen Luxushotels und den Prachtbauten der historischen Altstadt geprägte Avenue Bourguiba abzielten. All diese auch auf Touristen abzielenden Attentate führten dazu, dass bereits 2015 ein Ausnahmezustand über das ganze Land verhängt wurde, der mit erweiterten Befugnissen der Sicherheitskräfte einhergeht. Alle aktuellen Informationen zur Sicherheitslage in Tunesien stellt die Website des Auswärtigen Amts zur Verfügung. Dort erfahren Sie, ob zum Zeitpunkt Ihrer geplanten Reise eine Reisewarnung für Tunesien vorliegt.

Wie entwickelt sich die touristische Lage in Tunesien – ist Urlaub in Tunesien sicher?

Während die Zahlen der Tunesienreisenden vor den ersten terroristischen Attentaten über 7 Millionen Gästeankünfte verzeichneten, sanken diese 2015 auf 5,36 Millionen. Trotz der Verhängung des landesweiten Ausnahmezustands steigen seit damals die Zahlen wieder an und erreichten 2018 die beeindruckende Marke von 8,3 Millionen Besuchern. Obwohl man geneigt ist zu glauben, dass die Terrorakte von 2018 und 2019 die Tourismuswerte wieder zum Fallen bringen müssten, besuchten 2019 über 9,4 Millionen Reisende Tunesien. Ist es also sicher, nach Tunesien zu fliegen? Ja, wenn Sie die Reisehinweise beachten und keine selbst organisierten Touren in abgelegene Gebiete unternehmen.

Sind deutsche Reisende in Tunesien willkommen?

Trotz des aufgrund der Anschläge anhaltenden Ausnahmezustands belegen die Statistiken steigende Touristenströme. Sei es in der kulturell besonders sehenswerten Hauptstadt Tunis, an den malerischen Küsten, bei Ausflügen in die Sahara oder beim Entspannen in den Thalasso-Zentren – deutsche Reisende sind überall herzlich willkommen und werden in der herzlichen arabischen Tradition empfangen. Doch nicht nur die legendäre Gastfreundschaft des Orients lässt die touristischen Oasen Tunesiens wie Hammamet, Djerba und Agadir neu erblühen: Da viele Touristikunternehmen, Gastbetriebe und Unterkunftgeber sowohl 2011 als auch 2015 herbe Verluste einfahren mussten, haben sich die Preise im nordafrikanischen Land auf einem moderaten Niveau eingependelt. Diese Tatsache wie auch die landschaftliche und kulturelle Vielfalt des Landes mit acht UNESCO-Weltkulturerbestätten macht Tunesien zu einer perfekten Wahl für Ihren kommenden Urlaub.

Wie ist die Sicherheitslage in den Gebirgsregionen und Grenzgebieten Tunesiens?

An der Grenze zu Algerien kommt es immer wieder zwischen El Aioun und Kasserine zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen tunesischen Militärkräften und in diesen Gebirgsregionen operierenden islamistischen Gruppierungen. Zudem sind große Teile der Berge von Jebel Chaamibi, Jebel Mrhila und Jebel Selloum vermint. Auch von Aufenthalten an der libyschen Grenze ist abzuraten, da die Sicherheitslage insbesondere rund um die Stadt Ben Guerdane besonders angespannt ist. Einige der genannten Region stellen ein militärisches Sperrgebiet dar.

Welche Risiken warten im Straßenverkehr in Tunesien?

Tunesien verfügt über ein gut ausgebautes Straßennetz in den Großstädten, touristischen Zentren und Überlandstrecken. Achtsamkeit und ein defensiver Fahrstil sind jedoch stets geboten, da Sie mit erhöhter Unfallgefahr durch die geringe Rücksichtnahme anderer Fahrer und die Ignoranz von Verkehrsregeln in Tunesien rechnen müssen. Falls Sie einen Ausflug ins Landesinnere planen, sollten Sie aus Sicherheitsgründen und wegen der Gefahr von Verkehrsunfällen versuchen, diesen noch bei Tageslicht zu beenden.

Wie verhält es sich mit der Kriminalität – ist Tunesien gefährlich?

Die Kriminalitätsrate in Tunesien ist erhöht. So verzeichnet man zahlreiche Einbruchs- und Diebstahlsdelikte, die durchaus auch bei Tage passieren können. Durch den Anstieg der Beschaffungskriminalität ist nicht nur im Gedränge auf Taschen- und Trickdiebstähle zu achten. Falschgeld gerät schnell in Umlauf, weshalb es sich lohnt, den Geldwechsel nur an offiziellen Stellen in Banken oder Hotels zu absolvieren. Seit kurzer Zeit begegnet man zudem in den sozialen Netzwerken zahlreichen illegalen Reiseanbietern, die über keine staatliche Lizenz sowie nur über einen unzureichenden Versicherungsschutz verfügen. Die mittels aggressiver Praktiken angeworbenen Reisenden verfügen in diesen Fällen weder über einen Unfall- noch Versicherungsschutz und müssen schlimmstenfalls damit rechnen, ohne jegliche Absicherungen im Reiseland zu stranden.

In welche typischen Touristenfallen tappen Reisende in Tunesien?

Viele Reisende kennen den vermeintlich hilfsbereiten Fremden bereits aus anderen Ländern: Einheimische gehen auf dem Souk oder auf einem anderen belebten Platz direkt auf Sie zu und bieten Ihnen bei der Suche nach dem Hotel, dem besten Restaurant oder dem günstigsten Souvenir-Geschäft Hilfe an. Doch hinter der freundlichen Fassade steckt leider in den meisten Fällen ein Trick: Der neue „Freund“ ist nur darauf aus, Sie in den nächsten Laden zu locken, um von dessen Betreiber eine saftige Provision einzustreichen. Ein Bummel über einen bunten Basar gehört zu den Höhepunkten des Urlaubs in der arabischen Welt. Hier tauchen Sie zwischen den farbenfrohen Gewürzen, samtweichen Teppichen und seidigen Stoffen in das Flair aus 1001 Nacht ein und geben sich dem Vergnügen des respektvollen Handelns hin. Doch einige Souks, wie etwa der Houmet Souk in Djerba oder die Medina in Tunis, haben Reisende als perfekte Zielgruppe zum Abzocken entdeckt: Die Preise sind weit überhöht, Verhandeln ist grundsätzlich nicht möglich, und viele der verkauften Gegenstände stammen aus einer Massenproduktion anstatt, wie angepriesen, aus lokalen Manufakturen. Lassen Sie sich die Sehenswürdigkeiten in den Herzen der beliebten Reisezentren nicht verderben und genießen Sie einfach nur den Bummel durch die engen Gassen – zum Shoppen geht es dann aber an andere Orte.

Informieren Sie sich auch zu über die Einreisebestimmungen von Tunesien!

Alleinreisende Frauen: Ist Urlaub in Tunesien sicher?

Frau in Tunesien

Viele Frauen reisen allein und sind auch amourösen Abenteuern im Urlaubsland nicht abgeneigt, doch Vorsicht. Neben Thailand und Kenia ist auch Tunesien für die Touristenfalle unter dem Namen Bezness bekannt. Die Geschichte beginnt vollkommen harmlos: Eine zufällige Urlaubsbekanntschaft entpuppt sich als die große Liebe samt langen Liebesschwüren, Familienbesuchen und der Planung einer gemeinsamen Zukunft. Zurück in Deutschland wird zunächst weiter per Skype und Messenger kommuniziert, bis eine Schocknachricht die romantische Idylle zerstört: Ein Familienmitglied ist krank, das Haus zusammengebrochen und die Großfamilie nun obdachlos, oder ein anderer Schicksalsschlag ereilt den vermeintlichen Lebensmenschen. Wenige Minuten und eine schnelle Western-Union-Überweisung später bedankt man sich zwar, doch der Kontakt bricht kurz darauf einfach ab. Den alleinreisenden Frauen bleiben Schulden und ein gebrochenes Herz.

Allgemeine Sicherheitstipps für Tunesienreisende

Trotz der Gleichberechtigung der Geschlechter in der neuen tunesischen Verfassung bleibt Tunesien ein muslimisches Land. Lassen Sie sich von den zahlreichen berufstätigen und westlich gekleideten Frauen in den Metropolen nicht täuschen – auf dem Land herrschen traditionelle Sitten und ein herkömmliches Rollenverständnis. Aus diesem Grund sollten alleinreisende Frauen beim Verlassen der touristischen Gegenden ein gesundes Misstrauen an den Tag legen und sich eher zurückhaltend kleiden. Ist Tunesien Urlaub sicher für Menschen in gleichgeschlechtliche Beziehungen? Homosexualität steht in Tunesien unter Strafe. Vermeiden Sie aus diesem Grund jegliche Zärtlichkeitsbekundungen mit Ihrem Partner in der Öffentlichkeit. Auch kleinste Mengen an Suchtmitteln und Drogen werden in Tunesien mit horrenden Strafen geahndet, die bei mindestens einem Jahr Haft beginnen und bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe betragen können.

Tipp: Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes

Bevor Sie Ihre langerwartete Reise nach Tunesien antreten, empfiehlt es sich, in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen zu lassen. Diese garantiert Ihnen, dass im Falle plötzlich auftretender politischer Unruhen oder unerwarteter Naturkatastrophen schnell und unbürokratisch Hilfe durch das deutsche Konsulat geleistet wird. Auch die schnelle Verständigung der von Ihnen angegebenen Kontaktpersonen im Heimatland erfolgt zuverlässig. Die Eintragung ist kostenlos und freiwillig auf elektronischem Wege und kann von Ihnen jederzeit aktualisiert werden.

Fazit: Sicherheit in Tunesien

Kamel in Tunesien

Trotz des Ausnahmezustandes und der Gefahr durch islamistischen Terror stellt ein Urlaub in Tunesien keine Gefahr dar. Bei der Befolgung der Ratschläge des Auswärtigen Amtes zur Vermeidung des Besuchs bestimmter Grenzregionen – die touristisch ohnehin nicht weiter ins Gewicht fallen – können Sie beruhigt Ihren entspannten Aufenthalt in dem vielfältigen Land buchen, das trotz aller innerpolitischen Herausforderungen seinen Sinn für Gastfreundschaft und seine atemberaubende Kultur nicht verloren hat. Im Tunesien Urlaub ist die Sicherheit laut Auswärtigem Amt derzeit eingeschränkt zu bejahen.

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