Die Reise durch East Anglia, den Osten Englands, beginnt in Cambridge, der Stadt der Universitäten und Colleges, gerade mal ein paar Autostunden von entfernt. Schon von weitem sehen wir die Spitzen und Türme der teilweise jahrhundertealten Gebäude. Ein Zeichen dafür, dass sich hier seit über tausend Jahren Geschichte abspielt. Und das ist nicht nur in Cambridge so – dieses Gefühl verlässt einen nicht, solange man sich im ehemaligen Königreich East Anglia aufhält.

Überall zeigen sich Spuren der wechselhaften Schicksale der Bewohner und Herrscher von Suffolk, Norfolk und Cambridgeshire. Sie erzählen von Lord Nelson und der Schlacht von Trafalgar oder dem berühmtesten Sohn Suffolks, dem Maler John Constable. Doch man stößt auch immer wieder auf Zeugnisse aus vorrömischer Zeiten: Feuerstein-Minen oder uralte Kult-Stätten. Gepflegt und erhalten wird das kulturelle Erbe meist vom National Trust, einer gemeinnützigen Organisation, die in ganz England zahlreiche großartige Landschlösser und Gärten unterhält und für einen kleinen Betrag dem Interessierten Zugang gewährt.

Auch die Landschaft spiegelt die wechselhafte Geschichte dieses Landstriches wieder: Die ehemals vorhandenen Sümpfe wurden zur Landgewinnung trockengelegt, sind inzwischen aber wieder zu großen Teilen renaturiert und bieten eine eindrucksvolle und fast unwirkliche Kulisse. Unzählige Tage kann man in den Norfolk Broads zubringen, einem riesigen Netzwerk von kleinen Flüssen und Seen, durchsetzt mit sehr englischen und malerischen Orten. Mit einem Boot gondelt man gemütlich durch diese Wasserwelt. Sucht das Auge Halt, findet es diesen an den einzelnen Windmühlen, die wie Leuchttürme in der Sumpflandschaft stehen.

Wer Ruhe und Erholung sucht, wird ebenso in dem Küstenstädtchen Southwold fündig. Wie auf eine Perlenschnur aufgereiht stehen dort die bunten Strandhütten nebeneinander. Namen auf ihren Türen und Türchen geben kleine Hinweise auf ihre Besitzer. Hier kann man ausgiebig und in Ruhe das Meer genießen, unterbrochen höchstens vielleicht von einem frisch gefangenen und zubereiteten Mittagessen im Fischlokal auf dem Pier.
Überkommt den so erholten Stadtmensch dann wieder das Bedürfnis nach seiner ‚natürlichen’ Umgebung, so fährt er am besten nach Norwich, einst eine der größten und wichtigsten Städte des einstigen Königreichs. Heute ist Norwich eine ausgesprochen lebendige und moderne Stadt.

Übrigens sollte jeder, der durch East Anglia tourt, bei einem Ortbesuch unbedingt das jeweils lokale Bier probieren. Meist geht dessen Verbreitungsgrad nicht über die Stadtgrenze hinaus, aber es schmeckt wirklich ausgezeichnet, wie z.B. das Green King in Bury St.Edmunds. Einem anderen Laster lässt sich im Städtchen Newmarket frönen, nämlich der Wette, genauer: der Pferdewette. In der Stadt, die berühmt für ihre Ställe ist, werden regelmäßig große Pferderennen ausgetragen, die Heerscharen an Reit-, Wett- oder Sportbegeisterten anziehen.

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