In Antwerpen wandeln Besucher in Rubens Fußspuren.

Klack. Klack. Klack. Etwas unsicher suchen die Füße in Stöckelschuhen Halt auf dem Kopfsteinpflaster des Groter Markts. Mit jedem Tritt berühren die schwarzen Stiefel Geschichte, Kultur und Kunst. Halten inne. Bloß keine falsche Ehrfurcht! Zwar strotzen die prächtigen Zunfthäuser vor historischen Anekdoten, doch die Vergangenheit der belgischen Provinzhauptstadt Antwerpen drängt sich dem Passanten nicht ungewollt auf. Wie selbstverständlich gehört sie zum Alltag, ist einfach da, verlangt kaum Aufmerksamkeit, freut sich dennoch, wenn jemand sie betritt.

Aber bitte zu Fuß. Jedes andere Fortbewegungsmittel verspricht hier wenig Erfolg. Denn der Kern Antwerpens ist durchzogen von engen Gassen, kleinen Plätzen und schmalen Straßen. Durch letztere quälen sich Autos, die Straßenbahn rumpelt vorbei an alten Gemäuern, Jugendstilhäusern und sogenannten Bausünden der Nachkriegszeit: Begehbare Geschichte.
Baumelnd hängen die Füße vom Rand des Brabo-Brunnens, der mitten auf dem Groter Markt steht. Ausruhen. An der Westseite protzt die Fassade des Stadhuis, des Rathauses. Wohin des Weges? Bis hinunter zum Scheldeufer sind es nur 500 Meter. Dort steht die Stehen: Sie war früher eine Burg, heute ist sie das Nationale Schifffahrtsmuseum. Ein wenig versteckt liegt am südlichen Ende des Promenadenwegs der Eingang in den Fußgängertunnel, der unter der Schelde hindurchführt. Der Weg ist hier das Ziel, denn am anderen Ende wartet nur ein Wohngebiet. Ansonsten sind die Kaianlagen etwas trist, ein Fall für die Städteplanung.

Dann doch lieber eilenden Schrittes zurück zum Groter Markt, von dort durch den schmalen Quinten Matsus Doorgang zur Kathedrale. Auf dem Weg dorthin unbedingt an dem Schaufenster mit grün-weiß gestreifter Markise anhalten: Köstlichste handgemachte Pralinen gibts hier. Die leiten neue Energie direkt bis in die Zehen. In diesem Zustand können selbst kunstgeschichtlich wenig interessierte Füße die Onze-Lieve-Vrouwekathedrale betreten.

Nicht nur die Größe beeindruckt hier den Betrachter, auch die Vielzahl der Kunstwerke. Hier trifft der eifrige Spaziergänger mit Peter Paul Rubens Werken zusammen. Rubens, der einen Großteil seines Lebens in Antwerpen verbrachte, hinterließ in der Stadt unzählige Fußspuren. In der Kathedrale sind zwei gewaltige Triptychone von Rubens zu sehen – „Die Kreuzaufrichtung“ und „Die Kreuzabnahme“ – außerdem das Hochaltar-Bild „Mariä Himmelfahrt“.

Und die Gassen rings um die Kathedrale und den Groenplaats warten geradezu auf eine Erwanderung: gemütliche Cafés und kleine Läden sind hier besonders entdeckenswert.
Schon abgelaufene Schuhe? Dann rasch die Nationalstraat entlang ins Modeviertel der Stadt. Dries van Noten, der Mode-Rubens des 21. Jahrhunderts, hat hier seinen Stammsitz, exklusive Handschuhläden, neben Pariser Designern, Markenkleidung und belgischen Jung-Schneidern. Hier gerät der mittelalterliche Charme etwas in Vergessenheit. Der neuste Chic wird ausgestellt.

Reisenden, die hier kein passendes Schuhwerk finden, sei die Meir, die Haupteinkaufsstraße, empfohlen. Auf dem Weg dorthin die Korte Gasthuisstraat nicht umgehen, denn hier gibts alles, was müde Füße munter macht: Frisch gebackene Waffeln, köstliche Plätzchen bei Philips Biscuits und Fischvariationen im Delikatessgeschäft. Erholung für geschundene Füße verspricht die Gartenanlage im Innenhof des Rubenshuis. Der Barockmaler wohnte hier bis zu seinem Tod 1640, richtete hier seine umfangreiche Kunstsammlung ein und baute sein Atelier.

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