Nur Franzosen können das Stangenweißbrot wirklich backen. Am besten sind dabei Tony und Florence Lebehot aus der rue l´amiral mouchez im 13. Arrondissement von Paris.

Die rue l´amiral mouchez ist nur eine kleine Straße im 13. Arrondissement, dem quartier chinoise von Paris. Trotzdem ist die Auswahl an Croissants und Baguettestangen hier größer als in irgendeiner anderen Straße Frankreichs: Sechs boulangeries bieten hier Backwerk an, die Konkurrenz ist groß.

Umso wunderlicher erscheint es, dass die Anwohner jeden Tag aufs Neue ausgerechnet vor den Türen der Bäckerei von Tony und Florence Lebehot Schlange stehen. Dass sie mehr oder weniger geduldig darauf warten, endlich ihr croissant ordinaire zu bestellen. Oder ein pain. Oder ein baguette traditionelle: Täglich reichen Tony und Florence Lebehot mehr als 800 Stangen über die Ladentheke.
Den Grund dafür kennt Steven Kaplan am besten: In Paris gibt es weit mehr als 600 Bäckereien, und alle hat Steven Kaplan besucht. Nur die jeweils sechs besten der 20 Arrondissements haben es jedoch in sein Best-of-Buch geschafft, die boulangerie der Lebehots gehört dazu. „Seit der Veröffentlichung verkaufen wir doppelt soviel Brot wie zuvor“, erzählt Florence Lebehot.

Paris und sein Baguette

Wie ein Nationalsymbol oder ein modisches Accessoire tragen ihre Kunden das Baguette mit sich – stolz unter dem Arm geklemmt, verschämt in zwei Teile geteilt in der Plastiktüte vom Bäcker oder keck aus dem Rucksack ragend. Auf dem Mofa, beim Bummel über den Wochenmarkt, sogar in den Boutiquen, das Baguette ist dabei. Wenn auch nicht immer als Ganzes: „Ein gutes Baguette erkennt man daran, das es halb aufgegessen zu Hause ankommt“, sagen die Franzosen.

In Frankreich schätzt man ein gutes Baguette ebenso wie edlen Wein, Zartbitterschokolade oder den frischen Roquefort vom Markt. Schnellbäcker oder Discountketten wie in Deutschland würden hier nicht funktionieren. Damit das baguette traditionelle auch wirklich Handarbeit und ohne Zusatzstoffe ist, gibt es seit 1993 das décret pain, ein Gesetz also, das in etwa unserem Reinheitsgebot für Bier entspricht.

ZUM ANGEBOT

Schreiben Sie einen Kommentar