Der Wind fegt über das platte Land, treibt Schneeflocken ins Gesicht. Sonst herrscht Stille auf Bornholm. Wundervolle Stille.

Das Sonneneiland, das im Sommer von Touristen bevölkert wird, ist verlassen. Seine Bewohner haben sich in einen Winterschlaf zurückgezogen. Hotels und Restaurants sind zumeist geschlossen. In der zweiten Hälfte des Winters überwiegt die Vorfreude auf den Sommer. „Im Herbst winken wir erleichtert der letzten Touristenfähre hinterher“, sagt Reimer Kjøller. Er lacht, wenn er von seinem Herbstritual am Hafen von Rønne erzählt.

Im Sommer räuchert der Fischer auf traditionelle Weise 40 Tonnen Fisch für die Touristen. Im Winter bleiben die weißen Schornsteine der Räucherei kalt. Denn in den kalten Monaten zehren die Bornholmer von ihren kurzen Sommern. Warm und arbeitsintensiv ist die helle Jahreszeit auf der Insel. Doch auch wenn es kälter wird auf dem Eiland, ziehen sich die Bewohner nicht vors Kaminfeuer zurück.

Dänischer Wein

Jesper Paulsen hat Anfang Oktober die Früchte seiner Arbeit geerntet. Er ist der einzige Winzer auf der Insel und der größte des Landes. Neun unermüdliche Weinbauer gibt es insgesamt in Dänemark. 2000 wurde der skandinavische Staat offiziell Weinland. Seitdem beackert Landwirt Jesper 2,9 Hektar seiner Felder in Pedersker im Südosten der Insel. In Deutschland kaufte der 46-Jährige die ersten Rebstöcke. 2002 konnte er zum ersten Mal Wein produzieren. Im vergangenen Jahr füllte er 2000 Flaschen ab, für die er reißenden Absatz fand. Wein ausDänemark? das klingt beinahe unmöglich. „Die Sommer sind warm genug, aber zu kurz“, sagt Jesper. Seine hellen Augen leuchten, wenn er von dem ehrgeizigen Projekt spricht.

Wenn die Bäume Knospen tragen

Auch im „Svaneke Bryghuset“ ist es ruhig. Seit vier Jahren braut man dort auf traditionelle Weise Bornholmer Bier. „Im Sommer kommen wir mit der Produktion kaum hinterher“, sagt Gorm Wiswek, der 22-jährige Manager der Brauerei. Im Winter, wenn die Touristen Bornholm verlassen und viele Restaurants und Hotels geschlossen haben, wird das dänische Festland mit dem trüben „Classic“ und der dunklen Version beliefert. Erst wenn die Apfelbäume wieder Knospen tragen, wird für die neue Saison vorgebraut. Und Fischer Reimer freut sich schon jetzt auf sein Frühlingsritual: „Am Hafen stehen und Touristen begrüßen.“

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