Tulpen aus Amsterdam ist ein weithin bekannter Schlager und Holland zur Zeit der Tulpenblüte ein beliebtes Reiseziel. Doch eigentlich kommt die Frühlingsblume aus der Türkei.

Man darf sich ein bisschen vorkommen, wie Sultan Suleiman, wenn man durch Amsterdam spaziert. Nein, er ist nie da gewesen. Dennoch: Erhaben würde der Osmanenherrscher aus dem 16. Jahrhundert heute wohl die Grachten entlang schlendern, sich an der Tulpenblüte berauschen und seinen Blick nach oben auf die vielgestaltigen Häusergiebel richten. Vielleicht wäre er auch ein wenig eifersüchtig auf die Blumenpracht. Denn die Tulpe kam aus seinem Reich, der heutigen Türkei, nach Europa. Vor mehr als 400 Jahren durfte die Blume zum ersten Mal in Holland blühen. Sie ist zum Inbegriff der Niederlande geworden.

Unter den knorrigen Bäumen im Begijnhof breitet sich im Frühjahr vor den kleinen Häuschen des ältesten hofje Amsterdams ein Blumenteppich aus. Im Vondelpark sprießen Knospen und feine Blätter. Der einstige Treffpunkt der Hippiegemeinde und grüne Lunge Amsterdams gibt der Flower-Power im Frühling so eine andere Bedeutung. Und während die Sonnenstrahlen die Grachten in einen glitzernden Wassergürtel verwandeln und die Amsterdamer ihre Fahrräder aus den Winterquartieren holen, öffnen sich auch in den Blumenkästen auf den Fensterbrettern entlang der Gehsteige die farbenprächtigen Blüten.

Tulpomania

Wer in einem der typischen Grachtenhäuser wohnt, kann die Nachmittagssonne auf der kleinen Treppe davor und mit einer Zeitung auf dem Schoß genießen. Viele Amsterdamer und Urlauber sitzen auch in den Korbstühlen der Straßencafés und beobachten das Treiben auf den Trottoirs, bevor sie auf den Bloemenmarkt am Singel hinter dem Munttoren radeln.

Im Wasser liegen die Holzboote, auf denen die Blumenpracht zum Verkauf ausgestellt ist. Auf der Straße davor türmen sich Säcke mit Tulpenzwiebeln, und Bonsaibäume zieren den Stand. Nebenan werden aus Holz geschnitzte Tulpen, Trockenblumen und Klompen, Frau Antjes typische Holzschuhe angeboten.

„Drie voor en tientje“ schreit der Blumenhändler in die Menge. Der Verkäufer preist seine letzten Sträuße an und will drei für zehn Gulden verkaufen. Sein schwimmender Blumenstand ist mit Tulpen aller Farben und Formen beladen. Eine goldene Nase kann er sich damit heute nicht mehr verdienen. Anfang des 17. Jahrhunderts hingegen – während der „Tulpomania“ – war eine einzige Tulpenzwiebel mitunter so viel wert wie ein Grachtenhaus. Zu jener Zeit war Holland durch seine Kolonien reich geworden und die Tulpe avancierte zur Modeblume in den Gärten der wohlhabenden Bürger. Der Preis der Zwiebeln stieg mit der Nachfrage und bald konnte man sogar Optionsscheine auf Tulpenzwiebelanteile kaufen. Deren Preise standen in keinem Verhältnis mehr zum wahren Wert der Blume. Und als Frühling 1637 das Angebot zu groß wurde, hatte der Tulpenwahn ein plötzliches Ende.

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