Weltreise

London: Eine Stadt hält zusammen

Die Hauptstadt Großbritanniens übt weiterhin eine ungebrochene Anziehungskraft aus.

Obwohl terroristische Anschläge auf London schon lange angekündigt waren, trafen die Bomben vom 11.7.2005 die britische Hauptstadt mitten ins Herz. Keine Stadt kann auf eine solche Tragödie vorbereitet sein. Die U-Bahn, die in der größten europäischen Metropole wie selbstverständlich täglich genutzt wird, wurde zu einem der gefährlichsten Verkehrmittel. Auch die Ausweichmöglichkeiten waren nicht sicher, zumal eine der Bomben in einem der für London so typischen roten Doppeldecker-Busse explodierte.
Man hätte meinen können, dass besonders nach den erneuten Anschlägen zwei Wochen später in London Panik ausbrechen würde, Touristen fernbleiben und Einheimische die öffentlichen Verkehrsmittel meiden würden. Doch überraschenderweise bleibt dies völlig aus. Die Londoner Bevölkerung bleibt ruhig, nutzt sowohl Busse als auch U-Bahnen, die mittlerweile alle wieder in Betrieb sind, mit bewundernswerter Gelassenheit. Und auch der Tourismus scheint nicht unter den Anschlägen gelitten zu haben: weiterhin bleibt London ein Topziel für Städtereisen.

Wie konnte die Stadt also die ganz große Panik vermeiden?

Erklärungsversuche erinnern an die IRA-Bomben, die London insgesamt abgehärtet haben, aber auch an den Mangel an Alternativen: Millionen von Londonern sind täglich auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen und verdrängen daher ihre Angst vor erneuten Anschlägen. Außerdem steht der Londoner Polizei an dieser Stelle ein Lob zu: Durch ihre resolute Eingriffsweise ließ sie keine Zweifel aufkommen, dass die Sicherheit in dieser Stadt allergrößte Priorität hat. Aber besonders der Londoner Bevölkerung gilt das größte Kompliment: Sie lässt sich nicht aus dem Konzept bringen und versucht ihren Alltag so normal wie möglich weiterzuleben.
Dies beeindruckt vor allem die zahlreichen Touristen, strahlt die Stadt heute doch trotz der ihr eigenen Lebhaftigkeit und unheimlichen Vitalität eine gewisse Ruhe aus. So sehr man sich über die ständigen „security alerts“ (Sicherheitsvorkehrungen in der U-Bahn) aufregt, so gelassen und geduldig wartet man sie dann doch ab und kommt vielleicht sogar mit jemandem ins Gespräch – was unter normalen Umständen in der Londoner U- Bahn undenkbar wäre.

Shortditch: Sehenswertes im Londoner Osten

Aber der Fortbestand der Anziehungskraft Londons lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man einmal einen Streifzug durch den Osten der aufregendsten Stadt Europas wagt: Abseits des Massentourismus der Oxford und Regent Street sind die Märkte ein absolutes Highlight für Einkaufsbegeisterte: zum Beispiel der „Spitafields Market“ im heute immer hipper werdenden Stadtteil „Shortditch“, nahe der Liverpool Street Station. Von hier aus schlendert man über die mittlerweile weltbekannte Brick Lane, in der sich ein Bangladeshi Restaurant an das nächste reiht. Wenn einem der Sinn nach authentisch, scharfer indischer Küche steht, sollte man sich nicht von der etwas schäbig aussehenden Umgebung des Restaurants „Sweet and Spicy“ abschrecken lassen, sondern hier die bei weitem besten Gerichte des Viertels probieren. Falls man aber nur nach einer leckeren Kleinigkeit sucht ist der Bagel Shop am Ende der Straße das Richtige – dort gibt es rund um die Uhr ofenfrische Bagels zu einem für London unschlagbaren Preis.
Auch um abends wegzugehen ist man schon in der richtigen Gegend: von Old Street bis Aldgate East befinden sich hier fast alle Clubs und Bars, die gerade „in fashion“ sind. Besonders empfehlenswert für Tanzwütige: „Fabric“, „Plastic People“ oder auch das „93 Feet East“ direkt in der Brick Lane. Einen gemütlicheren, typisch britischen Abend verbringt man bei einem „Pint“ (halber Liter Bier) im Pub beispielsweise im weiter südlich gelegenen Greenwich, wo „Gipsy Moth“ oder „North Pole“ oder „Trafalgar Tavern“ direkt an der Themse mit Blick auf das Bankenviertel Canary Wharf einladen. Allerdings sollte man besser früher anfangen, denn trotz der Abschaffung der Sperrstunde schließen die meisten Londoner Pubs immer noch pünktlich gegen 23.00 Uhr. Kurzum London bietet so viele Möglichkeiten und Attraktionen, dass es einfach schade wäre, wenn man sich durch die terroristischen Anschläge von einem unvergesslichen City-Trip abhalten lassen würde.

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